World of Northdeer - Story

  • World of Northdeer



    Es war der Geruch verbrennenden Wachs und das Flackern der kleinen Kerzenflamme, welche ihn zur Ruhe kommen ließ und seine Aufregung vergessen, welche seine Meditation störte.


    Konzentrier dich..

    mahnte er sich selbst, doch es war nicht so einfach wie sonst immer. Etwas störte das empfindliche Gleichgewicht dieser Welt und brachte in alle Ecken des Landes Unheil. Langsam beruhigte sich sein Herz, welches wie donnergrollen in seiner Brust pochte und sein Atem ging gleichmäßig.

    Die Kerzenflamme wuchs und füllte, in wild wechselnden Farben, sein Blickfeld aus. Sie züngelte nach Royd und hüllte ihn in sich ein wie in eine warme Decke, doch verbrannte sie ihn nicht.Es war nur ein kurzer Augenblick in dem seine Sicht verschwamm und sich wieder aufklarte. Bilder erschienen vor seinen Augen. Vergangene Bilder.


    Was ist das?


    Er sah ein baumartigen Golem, durchbohrt von einer knöcherner Klinge, welche von einem üblen Schrecken geführt wurde. Ein Licht.. eine Explosion, welche die Bergspitze auslöschte und das eigenartige Wesen davonschleuderte, doch bevor dies geschah flüsterte der Schrecken dem Golem irgendetwas zu und löste sich dabei in Rauch und Schatten auf. Was konnte solch einen Zauber wirken, um derartiges zu vollbringen? Er sah es nicht..


    Das Bild verschwamm und präsentierte sich in anderen Landen wieder. Ein Dorf. Ein brennendes Dorf an einem Fluss, welches von Untoten Horden überrannt wurden und wer schnell genug war tat gut daran zu fliehen. Eine junge Frau, welche unbeholfen einen Flechtkorb trug in dem ein kleines Kind zu liegen schien, rannte am Ufer entlang. Sie sah sich immer wieder hektisch nach ihren Verfolgern um, welche ihr nach dem Leben trachteten.

    Ein morscher, rostiger Pfeil bohrte sich in ihren Rücken und brachte sie zu fall. Blut spuckend schob die Frau den Korb ins Wasser. Er wurde von der Strömung sofort mitgezogen. Sie sagte etwas. Royd versuchte ihre Lippen zu lesen.


    Es tut mir leid Archy...? War es das?


    Für Royd war es belanglos, doch der Name brannte sich stechend in seine Gedanken ein.


    Wieder änderte sich das Bild und vor seinen Augen bildete sich eine die Burg eines stolzen Ritterordens. Jemand stand in einem Wachturm und läutete wie wild eine Alarmglocke. Bogenschützen und Ritter stürmten halb gerüstet auf die Mauern , während Knappen ihnen folgten und Teile ihrer Ausrüstung trugen. Abermals sah Royd Untote Monster, doch waren es nicht Horden, es war ein Heer, welches die Burg belagerte. Befehle wurden gebrüllt und Katapulte schleuderten brennende Pechkrüge und Steine den Massen entgegen, doch für jedes Monster, welche fiel, nahmen andere seinen Platz ein. Ein junge, er war höchstens sieben Jahre alt, schleifte ein zu großes Schwert hinter sich her und übergab es schnaufend einem der Ritter. Royd konnte hören wie der Ritter den jungen anbrüllte.

    “Verschwinde Atares, du kannst hier nichts ausrichten!”

    Der junge wollte nicht gehorchen, was den Ritter dazu veranlasste ihn grob zu Boden zu stoßen. Er brüllte den jungen erneut an und deutete auf ein Luftschiff, welches an einem hohen Turm festgemacht war. Wiederwillig lief der Junge davon.

    Wo kommen die Untoten überall her? Atares. Abermals brannte sich ein Name schmerzhaft in seinen Kopf ein.


    Ein Schwindelgefühl überkam ihn, als sich das Bild abermals änderte und ihm eine Schar vogelähnlicher Wesen zeigte, welche sich mit gekrümmten Klingen und Krallen an den Füssen auf eine Gruppe Untoter stürzte.


    Wieder Untote?


    Sie zerfetzten die Monster in Windeseile und setzten sich dann wieder ab, bevor andere Gruppen darauf reagieren konnten. Es faszinierte Royd wie sich die Vögel dabei bewegten. Ihr gang glich denen der Menschen und ihre Größe stand diesen in nichts nach, doch waren sie flink wie Wiesel und elegant wie Elfen. Eines dieser Wesen stach dabei heraus und weckte sein Interesse. Anders als die anderen besaß sie weder Schmuck noch sonstige Zierde. Es schien ihr unnötig vorzukommen. Sie war ein Stück kleiner als die anderen, was Royd zu der Annahme führte, dass sie recht jung war, doch er konnte sich nicht sicher sein. Er kannte dieses Volk nicht. Die größeren stießen sie neckisch an und lachten, dabei fiel immer wieder ein Name.


    Womi...


    Erneut stach es in seinem Kopf und das Bild erlosch.

    Er fiel nach vorne und übergab sich heftig hustend. Jemand stand vor ihm und sah besorgt auf ihn herab.

    “Was habt ihr gesehen Meister?”

    Royd wischte sich den Mund an seinem Ärmel ab.

    “Die Untoten erheben sich und schänden diese Welt.. Ein großes Übel hat sie geweckt..”

    Er stand auf und verließ den Raum, dicht gefolgt von Neuankömmling. Fremde Namen gingen ihm durch den Kopf. Namen zu Leuten, welche ihm gleichgültig sein könnten, doch irgendwas ließ ihn dabei zögern.

    “Es gibt etwas, was du für mich tun musst Moco...”

  • Zwanzig Jahre nach dem Fall von Harrogath



    Ein glücklicher Zufall




    Mit matten Augen starrte sie ihr Spiegelbild an, als sie sich grob mit einem Fetzen Stoff wusch. Sie hatte sich anders in Erinnerung, doch wurde ihr Blick von einer ausgehungerten Gestalt erwidert der das blonde Haar filzig über die skeletdürren Schultern hing. Wangenknochen stachen aus ihrem Gesicht und dunkle Ringe hatten sich unter den blauen Augen gebildet. Ein kalter Schauer lief ihr bei dem Anblick über den Rücken und ihr Bauch schmerzte vor Hunger.

    Sie blickte hektisch auf, als sich das Wasser in dem Teich plötzlich kräuselte und ihr Spiegelbild verschwamm. Mit einer geübten Bewegung hatte sie ihren Bogen in der Hand und suchte mit scharfem Blick einen Pfeil entlang das Ufer ab. Ihre Augen weiteten sich und sie ließ den Pfeil fliegen.

    Hungrig starrte sie auf die Wasserrate, welche über einem kleinen Feuer brutzelte. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen und ihr Bauch fing an laut zu gurgeln, als ihr der Geruch gebratenen Fleisches in die Nase stieg. Sie musste sich zwingen ihre Zähne nicht in das rohe Flesch zu schlagen und das Biest, welches sie unter normalen Umständen keines zweiten Blickes würdigen würde, herunter zu schlingen.

    Zu ihrem Unglück waren dies keine normalen Zeiten. Untote plagten die Völker dieser Welt und kamen immer wieder in Heeren zusammen, um eine Stadt zu überrennen und ihre Reihen mit weiteren Leichen zu füllen. Dies taten sie bereits seit Jahren. Immer wieder sah sie sich um, wenn die Blätter der Büsche raschelten, oder ein Ast knackte. Zittrig nahm sie die Ratte vom Feuer in knabberte am das Fleisch von den Knochen ab. Es war nicht viel, doch es war das beste was sie seit Tagen in den Bauch bekam. Fleischsaft tropfte ihr am Kinn hinab und weiter runter, auf ihr rotschwarzes Kleid. Ächzend fiel sie zur Seite, als sich ihr Magen verkrampfte und versuchte sich in die falsche Richtung zu entleeren. Ein leiser Schluchzer quetschte sich durch ihre Kehle.

    Nachdem sich ihr Magen wieder beruhigt hatte versuchte sie es erneut und wieder rebellierte ihr Bauch, doch weit nicht so schlimm wie vorher. Es war erträglich. Sie hatte ihre Mahlzeit halb verzehrt, als Müdigkeit überkam und ihre Augen schwer wurden. Es gelang ihr nicht dagegen anzukämpfen und so lehnte sie sich zurück und schloss die Augen.

    Unruhig war ihr Schlaf. Ein schnauben drang an ihre Ohren und ließ sie hochschrecken. Ihr Schreck war noch viel größer, als sie am Feuer ihr gegenüber eine gerüstete Gestalt sitzen sah, auf deren Knien eine blanke Klinge ruhte.

    Der Krieger schien von ihrer Reaktion selbst erschrocken zu sein und bemühte sich sie nicht noch weiter zu verängstigen. Er hob die Hände von seinem Schwert weg und sprach ruhig zu ihr.

    “Ruhig, ganz ruhig. Ich tu dir nichts...”

    Mit schwer schlagendem Herzen rutschte sich ein wenig weg von dem Fremden und vom wärmenden Feuer, was ihn dazu animierte sein Schwert wegzulegen und auf Händen und Knien ihr hinterher zu kommen.

    “Ganz ruhig, es ist alles in Ordnung. Ich tu dir nichts.. siehst du? Mein Schwert ist weg..”

    Er griff nach einer Tasche und holte ein Zwieback heraus, welchen er ihr anbot.

    “Willst.. Willst du etwas essen? Du siehst aus als könntest du es vertragen..”

    Seine Stimme klang melodisch und einfühlsam. Sie zögerte, riss ihm aber dann den Zwieback aus der Hand und knabberte daran, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

    Erneut griff er in die Tasche und holte einen Wasserschlauch heraus, welche er ihr ebenfalls anbot. Sie nahm ihn entgegen, wenn auch nicht so harsch wie den Zwieback und drückte ihn sich an die Brust, während sie kaute.

    Mit offenen Händen rutschte er ein Stück von ihr weg, um ihr ein wenig Sicherheit zu geben und nahm seinen Helm ab. Ein recht ansehnliches, freundliches Gesicht kam zum Vorschein, mit leuchtend blauen Augen. Ein stoppliger Dreitagebart zierte seine Wangen, was ihn älter aussehen ließ als er war. Er strich sich eine Strohblonde Locke aus der Stirn, welche immer wieder zurück sprang was ihn genervt schnauben ließ. Sie musste unwillkürlich grinsen.

    “Ahja, so gefällst du mir besser!”

    Er lächelte freundlich, erhob sich und verbeugte sich theatralisch vor ihr.

    “Man nennt mich Atares, letzter Ritter vom Orden der eisernen Faust, aber meine Freunde nennen mich auch MrPlay!”

    Er machte eine bedeutungsschwere Pause, doch sie sah ihn nur stirnrunzelnd an.

    “Und du bist?...”

    Sie räusperte sich und antwortete knapp und leise.

    “Archery..”

    Stapfende Schritte beschlagener Hufe erregten ihre Aufmerksamkeit und aus den Nebelverhüllten Büschen kamen mehrere Reiter. Sie waren schwer gerüstet und beim näher kommen erkannte sie, dass jeder ein anderes Wappen trug. Sie verlor beim siebten Reiter den überblick. Eine dunkle Stimme rief aus den hinteren Reihen etwas.

    “Schnapp dir den Knochensack und steig auf dein Pferd. Wir werden immer noch verfolgt!”

    Sie horchte auf.

    “Verfolgt? Von wem?”

    Sie brauchte keine Antwort abwarten, als sie in der Ferne fauchendes Gekreische hörte, welches der Nebel nicht verschluckte. Hecktisch schnappte sie sich ihre wenigen Sachen und versuchte zittrig aufzustehen. Ein starker Arm packte sie und ehe sie sich versah saß sie hoch oben zu Ross. Geschickt schwang sich Atares hinter sie und gab dem Rappen die Sporen. Wiehernd bäumte sich das Tier auf und galoppierte los, dicht gefolgt vom Rest der kleinen Gruppe. Unweit ihres Lagers wartete eine weitere Hand voll Krieger auf Pferden. Sie waren leichter gerüstet und trugen Bögen und kurze Schwerter. Einer von ihnen stach dabei besonders heraus. Ein Hüne von einem Mann, gehüllt in Leder und schweren Fellen und von Kopf bis Fuß tätowiert und mit struppigen Bart. Er passte so gar nicht zu der Gruppe, welche sie aufgelesen hatte. Ohne ein Befehl abzuwarten schlossen sich diese Reiter ihnen an und preschten durch den Wald.

    Unbeholfen drehte sich Archery im Sattel um und umklammerte Atares Rücken, um nicht vom Pferd zu fallen. Sie sah ihm über die Schulter, um zu sehen was sie verfolgte, doch außer den anderen Reitern und dem wabernden Nebel zwischen den Bäumen konnte sie nichts erkennen. Die grausigen Schreie kamen näher.

    Je weiter sie kamen um so mehr veränderte sich der Wald um sie herum. Gesunde Bäume wechselten ihren Platz mit abgestorbenen und wo zuvor grüne Büsche zwischen den Bäumen wuchsen begannen diese zu pilzüberwucherten Gestrüpp zu verfaulen. Sie musste schreien, um sich über das donnern der Hufe gehör zu verschaffen.

    “Wo reiten wir hin?”

    Es war der tätowierte Riese, welcher ihr mit einer Stimme antwortete, welche zwei schleifender Mühlensteine glich.

    “Nach Araya, eine wehrhafte Stadt an einem Strom.”

    Sie hatte noch nie von dieser Stadt gehört, doch sie gab sich mit der Antwort zufrieden. Dieser Tage konnte niemand mehr sagen wo noch eine Stadt stand und wo nur noch Ruinen, doch scheinbar kannten diese Leute sich in dieser Gegend aus. Erneut hörte sie die Schreie, doch nicht mehr von weit hinten. Sie waren ganz nah und in den Nebeln hinter ihnen glaubte sie eine Bewegung ausmachen zu können.

    “Ich glaub sie sind direkt hinter uns!”

    Ein paar der Reiter sahen nach hinten, wogegen andere ihre Pferde zu mehr Tempo anspornten. Ihr Kopf zuckte zur Seite, als neben ihnen etwas aus dem Gebüsch sprang und den Reiter hinter ihnen vom Pferd riss. Sie erkannte nicht viel, doch es reichte ihr. Graue Haut, welche zu straff über Knochen gezogen war und ein vorgeschobener Unterkiefer, aus dem gekrümmte Reißzähne wuchsen. Klauenartige Hände begannen noch in der Luft den Reiter zu zerfetzten, doch sie wurden von den Hufen der nachfolgenden Reiter totgetrampelt bevor jemand reagieren konnte. Ein heiserer entsetzter Schrei entstieg ihrer Kehle.

    Die Schar fing an durcheinander zu rufen wo Sichtungen der Bestien gemacht wurden und wer konnte spannte einen Bogen und schoss in den Nebel. Fauchendes Geschrei drang zur Antwort aus dem Nebel hinaus, was Archery als Schmerzensschreie identifizierte.

  • Der Wald wurde lichter und schließlich ließen sie die Bäume hinter sich und jagten auf eine große Wiese. Erst jetzt wurde ihr das Ausmaß ihrer Verfolger bewusst. Sie waren überall. Ganze Rotten rannten auf allen vieren an ihren Flanken entlang und noch mehr waren hinter ihnen.

    Ein mannsgroßer Pfeil schlug neben ihnen in den Bestien ein und erschreckte sie beinahe zu Tode, doch es war das dröhnende Gebrüll, welches sie in Panik versetzte. Ein riesiges baumartiges Wesen krachte in ihre Verfolger hinein und prügelte sie mit einem beinahe genau so großen Hammer zu Brei.

    Sie hörte Atares Rufe nur noch wie aus weiter Ferne, welche auf eine ihnen entgegen kommende Staubwolke aufmerksam machen sollten, doch sie drangen nicht zu ihr durch.

    Gebannt und entsetzt zugleich sah sie, wie das Monster mit seinen Hammer das Erdreich aufwirbelte und Erde und Gestein in alle Richtungen davon schleuderte. Einer dieser Steine brachte ihr Pferd zu Fall…


    Atares sah in Zeitlupe den Boden auf sich zukommen und versuchte sich irgendwie abzurollen, doch er polterte schnell und schmerzhaft mit Archery über den harten Boden.

    Ächzend blieb er liegen wohingegen von dem Mädchen überhaupt kein Geräusch kam.

    Er wollte zu ihr herüber kriechen, um zu sehen ob sie noch lebt, doch der Leichnam einer ihrer Verfolger schlug zwischen ihnen auf dem Boden auf und versperrte ihm den Weg. Schrecken durchfuhr ihn, als er eine dieser Bestien von nahem sah und konnte es als Ghul identifizieren. Ein Wesen zwischen Leben und Tod und nahe zu immer Hungrig nach Menschenfleisch. Unter schmerzen rappelte er sich auf und humpelte zu dem Mädchen hinüber. Sie lebte, doch war sie in einem erbärmlichen Zustand.

    Der vibrierende Boden und Schlachtrufe aus über Einhundert Kehlen lenkte Atares`s Aufmerksamkeit wieder auf die Staubwolke, welche sich ihnen stetig genähert hatte. Schwere Kavallerie aus der nahen Stadt Araya war ihnen zu Hilfe gekommen, doch zweifelte Er, dass es um seinetwillen war. Sie würden sie unter ihren Hufen zu Tode trampeln und er konnte nichts dagegen unternehmen..

    Er zuckte zusammen, als sich ein Schatten auf sie legte und ein Baum vor ihnen in den Boden einschlug. Es dauerte einen Moment, bis er den Baum als ein Bein identifizierte. Ein Bein jenes Monsters, welches so wahnsinnig auf die Ghoule eingedroschen hatte und sie nun vor dem nahen Tod bewahrte. Es brüllte, als es einen toten Ghoul triumphierend den Reitern entgegen reckte, welche kurz darauf mit Lanzen und Gebrüll in die Bestien krachten.


    Nebel waberte vor ihren Augen. Dicht genug, um nur ein paar Schritt weit sehen zu können und doch so lichte, dass sie weit in die Ferne blicken konnte. Stimmen halten in ihrem Kopf. Sie klangen ganz nah und doch irgendwie weit weg.

    „...ganz alleine?…“ Sie blinzelte und sah verschwommene Gesichter über sich, welche sich auflösten und dem blauen Himmel wichen.

    Sonnenstrahlen wärmten ihren Körper und sie räkelte sich im Gras irgendwo im nirgendwo.

    „…halb verhungert…“ Sie streckte sich und gähnte. Wenn diese Stimmen nicht wären, könnte sich sich gut vorstellen ein Nickerchen zu machen.

    Irgendwo weit hinten in ihrem Kopf kamen Zweifel auf. Sie richtete sich auf und sah sich um. Sie befand sich auf einer toten Ebene aus Erde und Stein unter einem grauen Himmel. Ihr Atem bildete weiße Wölkchen, als sie zu frieren begann.

    „...hat sie die Bestien angelockt?“ Die Stimmen klangen schrill in ihrem Kopf und stachen wie kleine Dornen in ihren Gedanken. Sie versuchte zu rufen, doch mehr als ein krächzen brachte sie nicht heraus. Bibbernd setzte sie einen Fuß vor den anderen.

    „…sie wecken und…“ etwas knurrte hinter ihr und als sie sich umblickte erhaschte sie Bewegungen halb verwester Kreaturen in der Dunkelheit, welche sich um sie legte. Panik machte sich in ihr breit und sie versuchte zu fliehen, doch war es, als würden ihre Beine aus Blei bestehen.

    „…ist schwach…“ sabber tropfte von ihren blutigen Reißzähnen. Sie wimmerte vor Verzweiflung, als sich krallen bewehrte Hände um ihre Gliedmaßen legten und sich langsam ins Dunkel zogen… sie schrie…


    Archery schreckte schreiend hoch. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust und Adrenalin flutete ihren Körper. Schwer atmend suchte sie hektisch die Umgebung ab und brauchte einen Moment, um zu realisieren wo sie sich befand. Sie fand sich in einem weichen Bett, welches einen großen Raum dominierte. Teure Möbel standen an steinernen Wänden, welche mit kompliziert gemusterten Bannern behangen waren. Es knackte an einer Seite des Raumes und ihr Blick fiel auf ein kleines Feuer, welches in einem gemauerten Kamin flackerte.

    Eine Stimme meldete sich von der anderen Seite des Raumes und obwohl sie sehr weich und beruhigend klang erschrak Archery fast zu Tode. Sie rutschte hektisch in eine Ecke des Bettes und zog sich Bettdecke bis unter die Nase.

    „Heeeey, es ist alles gut. Du bist in Sicherheit! Niemand tut dir etwas…“ Eine kleine blonde Frau mit petrolfarbenen Augen stand zu ihrer Linken und sah sie mitfühlend an. Kleine Flügel, in der Farbe ihrer Augen, flatterten aufgeregt auf ihrem Rücken. Sie saß sich ans Fußende des Betts und lächelte Archery freundlich an.

    „Du fragst dich jetzt bestimmt wer ich bin und wo du bist, aber glaube mir, alles ist in Ordnung!“ Archery wischte sich eine Träne von ihrer Wange und nickte vorsichtig.

    „Also.“ Die Frau rutschte ein wenig näher an sie heran. „Ich bin Caralatti. Ich versuch mich in diesen schlimmen Zeiten hier als Heilerin und wir befinden uns im Herrenhaus von Lord Emanuel von Araya.“

  • Archery fühlte sich, trotz des schweren Sturzes und zahlreicher Prellungen, so frisch wie schon lange nicht mehr. Caralatti hatte ihr ein Badezuber mit heißem Wasser gefüllt und etwas zu Essen besorgt und nun nach einem Bad und frisch gekleidet, in einem Rot schwarzen Kleid ähnlich dem ihren, löffelte sie eine Schüssel Haferschleim. Es war ein Festmal für ihre Zunge, wobei ein Wurm in ihrem aktuellen Zustand auch ein Festmal gewesen wäre! Zumindest behielt sie ihre Mahlzeit bei sich.

    Neugierde packte sie, welche sie dazu veranlasste schmatzend zur Tür zu schleichen und einen vorsichtigen Blick nach draußen zu werfen. Ihr Blick wanderte einem langen Gang entlang, welcher von Kerzenschein erleuchtet wurde und mit dicken Teppichen ausgelegt war. Stimmen waren am anderen Ende zu vernehmen.

    Leichtfüßig schlich sie voraus und fand sich auf einer Galerie wieder von der aus sie in einen großen Saal blicken konnte. Lange Banner hingen von den Wänden, welche von gekreuzten Schwertern gehalten wurden. Leute standen beisammen, sie zählte mehrere Dutzend, in einer angeregten Unterhaltung vertieft. Sie schienen alle unterschiedlichster Art zu sein. Ritter, Gelehrte und zwei welche wie Magier aussahen. Sie glaubte sogar Atares in der Gruppe ausmachen zu können.

    „Woher wollen wir wissen, ob das Mädchen nicht etwas mit den Bestien zu tun hat? Immerhin fandet ihr sie alleine dort draußen in den Wäldern, in denen es von Ghoulen nur so wimmelt!“ Sie schnaubte empört. War diese Anschuldigung doch eine Unverschämtheit und ausgemachter Blödsinn.

    Unweit der Gruppe entdeckte sie eine riesige Gestalt halb im Schatten stehen. Es war das riesige Wesen, welches sie so erschreckt hatte. Es starrte sie an.

    „Und ich glaube, sollte sie etwas mit den Untoten zu tun haben hätte der Golem sie bereits zu Brei zerquetscht. Das Dunkel zieht ihn wie magisch an, um es zu bekämpfen und dieses Mädchen ist noch am leben!“

    Wie auf ein Stichwort begab sich der Golem zu Archery und sah ihr tief in die Augen. Es schien ihr so, als würde ein helles grünes Licht aus zwei leeren höhlen sie anstarren und eine unnatürliche Intelligenz in ihren Verstand eindringen. Er schnaubte kopfschüttelnd. Eine seiner riesigen Hände nach ihr ausstreckend nahm er sie, erstaunlich sanft, hoch und setzte sie bei der Gruppe in der Halle weiter unten wieder ab. Er murmelte etwas in einer Sprache, welche sie nicht verstand und trottete wieder in den Schatten zurück aus dem er kam, um die Gruppe mit zusammengekniffenen Augen zu beobachten.

    Ein Mann, welcher wie ein Gelehrter aussah meldete sich empört zu Wort.

    „Was soll das heißen – von Schwachsinnigen geleitete Hexenjagd?“

    „Das heißt, dass ihr euch anstellt wie Narren, ohne Hirn und Verstand!“ Der Dritte der Sprach konnte Archery als den tätowierten Krieger identifizieren, welcher sie mit Atares in den Wäldern fand. Hier im Saal wirkte seine Erscheinung mit all den Pelzen und der abgetragenen Lederrüstung genau so fehl am Platz wie das große Wesen.

    „Lasst sie uns auf dem Scheiterhaufen verbrennen! Nur so können wir sicher sein, ob sie ist was sie ist, oder ob sie etwas mit den Untoten zu tun hat und möglicherweise eine Hexe ist!“ Es war die Forderung ein beleibten in Roben gehüllten Mannes um dessen Hals eine Kette mit dem Symbol der hiesigen Kirche hing.

    „Vielleicht sollten wir euch verbrennen und euch in eurem eigenen Saft schmoren lassen, wie das fette Schwein, welches ihr seid Priester!“ Es war Caralatti, welche von der Galerie herab auf den Priester zeigte und noch weiter Beleidigungen folgen ließ.

    Mit einem mal begannen alle gleichzeitig durcheinander zu schimpfen und zu fluchen. Gruppen bildeten sich und Fronten entstanden. In dieser aufgeladenen Stimmung sah Archery wie das Baumwesen die großen Türflügel auseinander drückte und nach draußen in die Nacht entschwand. Es war wie ein unsichtbares Zeichen, welches die Anwesenden dazu veranlasste in einen heftigen Streit zu verfallen in dem Wild geschrien und gestikuliert wurde. Es ging so weit, dass ein berobter Mann mit Halbglatze ihr vor die Füße spuckte worauf hin ein in Pelze gekleideter Krieger ein Beil zog und es diesem, unverständlich brüllend, unter die Nase hielt. Für Archy war dies Anlass genug, um sich aus dem Staub zu machen. Sie suchte sich den nächsten Weg zur Galerie hinauf, von der sie runter gehoben wurde und betrachtete das Specktakel von oben. Mehrere der Leute hatten bereits Waffen gezogen und bedrohten sich brüllend gegenseitig und ein jeder versuchte den anderen zu übertönen. Atares stand zwischen den Gruppen und versuchte mit ausgestreckten Händen zu beschwichtigen, doch der Erfolg blieb wenig überraschend aus. In dieser Auseinandersetzung schien niemand zu bemerken, wie sich ein Teil der ihr schlecht gesonnenen Gruppe zuerst auf sie deutete und sich dann von den anderen löste, um ebenfalls zur Galerie empor zu steigen. Panik machte sich in Archery breit und trieb sie zur Flucht, doch prallte sie nach nur zwei Schritten und pure Muskelmaße. Ängstlich sah sie hoch und blickte in ein zernarbtes Gesicht einer riesigen Frau, welche fast jeden Zentimeter ihrer Haut mit Tätowierungen bedeckt hatte, ähnlich jener ihrer Fürsprecher.

    „Du arme Mädchen.. Wollen böse Männer dich weh tun.“ Ihre Stimme war sehr tief für eine Frau und ehe sie sich versah schob die große Fremde Archery hinter sich.

    „Ich passen auf kleine Mädchen auf wie Fürst von mich gewünscht!“

    Sie baute sich vor den näher kommenden Männern, manche von der Kirche, andere Angehörige eines Ritterordens, auf und streckte ihnen eine riesige Doppelseitige Axt entgegen. Ihre Stimme, eben noch warm und weich, wich einem dunklen grollen.

    „Wer will erst sein der sterben?“


    Das laute brüllen einer neuen Stimme dröhnte durch den Saal und ließ alle Anwesenden verstummen. Archerys Beschützerin schien dies nicht aus der Ruhe zu bringen, ihre Verfolger jedoch dazu veranlassen von der Galerie zu verschwinden. Erstaunt sah sie herab und blickte auf einen Mann, welcher eine dunkle Robe trug, welche mit leuchtenden Symbolen geschmückt war. Dies musste ein Magier sein. Jemand mit Autorität, denn alle, gleich welcher Partei angehörend, verbeugten sich tief vor ihm. Sie wollte hören was er zu sagen hatte, doch verstand sie nicht viel, denn die große Frau packte Archery am Arm und zog sie hinter sich her, weg vom Geschehen.

    „Aus die Augen, aus die Sinn“ murmelte sie.

    Sie hörte noch etwas von Dampfschiff und König von Eras´Tel, doch dann wurde sie in einen Gang gezogen und alles andere wurde undeutlich.

    „W-wo b-bringt ihr m-mich hin?“ Sie stotterte ängstlich, nicht wissend was mit ihr geschehen würde.

    „Ich bringen kleine Mädchen weg von böse Männer an s-s… sicheren. JA! Sicheren Ort!“

    „W-warum hilft du mir?“

    „Die große Fürst hat befohlen und Ulrika gehorchen und jetzt kleine Mädchen still! Wände haben Ohren!“

    Sie wurde durch mehrere Gänge und über mehrere Treppen geführt in einen weiteren großen Saal in dem ein großes Feuer prasselte. Eine Hand voll Männer und Frauen, alle von Ulrikas schlag, saßen dort an Tischen, oder auf Fellen am Boden, welche zuhauf überall verteilt waren. Sie lachten, aßen und tranken und Archery stieg der Geruch von gegrillten Fleisch in die Nase, welcher ihr das Wasser im Mund zusammen laufen ließ.

    Sie verstummten und beobachteten sie neugierig, doch lag in ihren Blicken keine böse Absicht. Ulrika führte Archery an einen leeren Tisch nahe des Feuers und rief den Anwesenden etwas in einer Sprache zu, welche sie nicht verstand, ließ sie mit einem

    „du hier warten“ stehen und verließ den Saal.

    Die Augen der Männer und Frauen, für Archery sahen sie aus wie Barbaren, wurden größer und sie begannen miteinander zu murmeln. Ihr Unbehagen wuchs als sie sich mit hängenden Schultern auf einer Bank an dem Tisch nieder ließ.

  • ChemFlix

    Added the Label Story
  • Die Schutzbefohlene


    Ein paar der Männer und Frauen erhoben sich und kamen Archery näher. Sie begutachteten sie von oben und unten, picksten ihr in die Rippen und einer hob sogar einen ihrer Arme am Oberarm hoch. Sie tratschten miteinander und deuteten immer wieder auf sie und ihr wurde schnell klar, dass sie sich über ihr Erscheinungsbild unterhielten. Ein merkwürdiges, aufdringliches Volk, entschied sie für sich, doch hielt sie es für besser erst einmal das Genick einzuziehen. Ein besonders großer Barbar mit Haut wie Leder und langen weißen Bart rief jemandem etwas zu und kurz darauf kam ein Mädchen, Archery schätze sie in ihrem Alter, mit einer Schüssel voll Fleisch und Brot.

    Sie lächelte freundlich, als sie es vor ihr abstellte und lud sie mit Gestiken dazu ein zu essen.

    Wieder jemand anders bot ihr ein Trinkhorn an, nein, drückte es ihr in die Hände und sah sie erwartungsvoll an. Vorsichtig hob Archery das Horn an ihre Lippen. Der Inhalt roch süßlich und erinnerte sie an eine Blumenwiese zur Frühlingsblüte. Sie trank und war sogleich überrascht von dem Aroma, welches dem Duft in nichts nachstand, doch war sie nicht darauf vorbereitet, dass das Gebräu sogleich in ihrer Kehle brannte. Tränen stiegen in Archerys Augen. Angestrengt unterdrückte sie ein Husten und brachte ein quietschendes „sehr gut“ heraus. Ein grölen und johlen ging von den Barbaren aus und kurz darauf ließen sich die Leute nach und nach bei ihr am Tisch, oder daneben, mit Fleischplatten, Brot und vielen mehr nieder.

    Die Stimmung war gut und die Anwesenden um Archery herum lachten und schwatzten, stießen mit riesigen Trinkhörnern an und machten sich ausgiebig über das Mahl her, welches den Tisch vor ihr so schwer belud, dass dessen Beine knarzten.

    Der weißhaarige Mann ihr gegenüber starrte Archery an und sie konnte nicht anders als zurück zu starren. Wie alle seines Schlags war er sehr groß, sehr muskulös und seine Haut zierte viele Tätowierungen. Narben bedeckten seine Haut in großer Zahl und wie jeder von ihnen trug er eine große zweihändige Waffe auf dem Rücken. In seinem Fall eine Axt, deren Kopf so groß war wie ihr Brustkorb.

    Als er sprach war seine Stimme tief und rauchig und ließ jegliches schwatzen am Tisch verstummen.

    „Du bist das Mädchen aus dem Wald.“ Es war keine Frage. Sie nickte vorsichtig und versank in ihrem Kleid. Ihr Unbehagen schien sehr offensichtlich, denn sogleich hob er beschwichtigend eine Hand.

    „Hab keine Angst. Hier wird dir kein Leid geschehen.“ Seine Stimme verlieh seinen Worten alles andere als Gewicht und Archery rutschte auf ihrem Platz nur noch tiefer.

    „Allerdings kann ich nicht für andere in dieser Stadt sprechen… also sollten wir was zu deiner Ertüchtigung unternehmen.. wir wollen den Fürsten ja nicht verärgern?!“

    Sie klappte ein paar mal den Mund auf und zu, nicht wissen was sie dazu sagen sollte.




    Der Golem knurrte ihr Dämonenauge bösartig an, doch der Magier, er hörte auf den Name Mocoma, hob beschwichtigend die Hand woraufhin das Ungetüm verstummte. Er sprach freundlich. "Ich weiß um eure Vergangenheit verehrter Fürst, doch müsst ihr diesen einen Dämon verschonen." Der Golem brummte widerwillig, beließ es aber auch dabei. Ein Junge mit spitzen Ohren meldete sich vorlaut zu Wort, welchen Nightrin als Chemflix erkannte. "Andere unseres Ordens werden kommen und sie mitnehmen. Eure Dienste werden nicht mehr gebraucht!" Sie konnte spüren, wie sich die Aura des Golems verfinsterte und als er sprach war seine Stimme wie Felsen, welche übereinander mahlten. "Das Mädchen ist von meinem Volk! Das Lied des Drachen hat es bestätigt. Sie bleibt bei mir, Novize!"

    "Der Hochmagier hat es befohlen! Ihr werdet ihm Folge leisten!"

    Der Hammer des Golems fiel krachend zu Boden und zertrümmerte dabei Teile der Bodenplatten des Raumes. Er knurrte. Abermals hob Mocoma die Hand. "Bitte, wir haben durch die Bedrohung der Untoten genug andere Probleme! Wir müssen uns auf eine Belagerung vorbereiten. Vorher kann das Mädchen erstmal nirgendwo hin!"

    Der Golem beugte sich zu Mocoma herunter und sah ihn misstrauisch in die Augen.

    „Sagt mir Magier… seit wann interessiert sich der Magierorden für eine meines Volkes?“

    Mocoma stutze. Er wischte sich eine Haarsträhne aus der Stirn und gab sein bestes dem bohrenden Blick seines Gegenübers stand zu halten.

    „Ist das nicht offensichtlich? Sie ist magisch begabt, wenn auch ihre Fähigkeiten noch in ihr schlummern..., so könnte sie eine mächtige Magierin werden!“

    Der Golem schnaubte verärgert.

    „Seit Jahrhunderten hat sich euer Orden nicht dafür interessiert, wenn mein Volk jemand mit magischen Fähigkeiten hervor gebracht hat und JETZT ist das so wichtig, dass ihr den weiten weg hier her macht, um sie zu holen, wo es doch nur noch so wenige von uns gibt!“

    „Ich verstehe, dass euch das missfällt, aber..“

    „… aber ihr habt keine andere Wahl, wenn ihr euch den Orden nicht zum Feind machen wollt!“ beendete Chemflix den Satz.

    Sowohl der Golem, als auch Mocoma sahen den Jungen erstaunt und irritiert zugleich an. Nightrin verschluckte sich am Wein und hustete schmerzerfüllt.

    „Die Befehle des Hochmagiers sind eindeutig und unmissverständlich. In ihr wohnt eine zu starke Macht inne, welche nicht unkontrolliert frei herum laufen sollte. Sie könnte versehentlich eure Leute auslöschen!“ Er zuckte mit den Schultern und wandte sich zum gehen. Mit mandelförmigen blauen Augen blickte er kurz über eine Schulter und gab dem Golem einen unmissverständlichen Rat.

    „Entscheidet euch weise!“



    Tage vergingen in denen Archery nie Hunger leiden musste, oder unter freien Himmel schlafen. Sie lernte in dieser Zeit einige über dieses barbarische Volk und was noch viel wichtiger war, von ihnen. Fast jeden Tag wurde sie herangezogen zum körperlichen Trainig, oder dem Umgang mit dem Schwert. Dafür konnte sie essen so viel sie wollte, was im Vergleich ihrer Lehrmeister dennoch herzlich wenig war. Es war ihr auch etwas unangenehm, dass sie nirgendwo alleine hingehen konnte. Ein Harrogathianer war immer in ihrer Nähe, bis auf den heutigen Tag.

    „Boa man Ulrika, muss das sein?!“ Archery maulte, doch es half nichts. Ulrika ließ nicht mit sich reden.

    „Archy will zu die Hafen, Schiff sehen, also muss Archy geschützt sein!“ Die große Frau, welche sich fast schon mütterlich benahm, malte mit schwarzer Farbe beinahe zärtlich eine filigrane Rune auf Archerys Wange.

    „Und ein bisschen Farbe soll mich schützen? Wovor überhaupt? Ihr benehmt euch alle so komisch, wenn es um mich geht, aber warum will keiner sagen!“

    Ulrika zuckte nur mit den Schultern und betrachtete ihr Werk. Sie nickte zufrieden und hielt Archery einen kleinen Spiegel hin. Sie sah hinein und war überrascht wie fein die Linien dieser kleinen Rune auf ihrer Wange waren. Ein leichtes lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

    „Na siehst du, Kleine. Es dir doch gefallen!“ Ulrika schon Archery aus dem Raum und hab ihr noch einen Klaps auf den Hintern. „Beeil dich, sonst verpasst du die Schiff!“

    Etwas empört rieb sie sich den Hintern, eilte jedoch sogleich davon. Es legten täglich Schiffe im großen Hafen von Araya an und ab. Die Stadt war ein wichtiger Knotenpunkt für den Handel, doch am heutigen Tag sollte ein besonderes Schiff anlegen. Ein Kriegsschiff mit besonderen Passagieren.

    Schnaufend und keuchend lief sie eilig aus der Burg zum Hafen hinunter. Auf ihrem Weg musste sie sich durch einige Menschentrauben hindurch schlängeln, welche überall in der Stadt ihrem Werk nachgingen, oder miteinander handelten.

    Völlig außer Atem kam sie am Hafen an und musste enttäuscht feststellen, dass das Schiff schon gelandet und die Löschung der Ladung im vollen Gange war. Ein großer Bereich an der Mole wurde von der Stadtwache abgesperrt, damit niemand dem ganzen zu nah kam.

    Neugierig ging Archery bis zu den Wächtern, um sehen zu können, wer da wichtiges die Rampe hinunter schritt, den misstrauischen Blick des Wächters ignorierend.

    Es waren drei. Ein großer massiger Mann mit weißgrauen Haar und drei-Tage-Bart. Eine Narbe zog sich durch sein Gesicht, vom Kinn bis zum Haaransatz und seine schwere pelzbesetzte Plattenrüstung hatte schon einige Kämpfe gesehen. In der einen Hand hielt er einen großen gezackten Streitkolben und in der anderen die Hand einer großen wunderschönen Frau, welche er die Rampe hinunter geleitete.

    Leicht gelocktes kastanienbraunes Haar, durch welches spitze Ohren zu sehen waren, fiel ihr über die Schultern. Mandelförmige türkisgrüne Augen inspizierten die Umgebung. Sie war einfach nur schön.

    Hinter den beiden lief eine etwas kleinere Frau, deren Haare in allen möglichen Lila und pinken Tönen erstrahlten und mit Blumen geschmückt war. Anders als die blaugrüne Robe der Elfe trug sie ein einfaches, wenn auch sehr freizügiges Leinenkleid, welches wie ihre Haare mit Blumen und Blättern geschmückt war. Auf ihrem Weg die Rampe hinunter lächelte sie vergnügt.

    Archery konnte die drei reden hören..

    „Ah.. endlich wieder festen Boden unter den Füßen… in welches vom Tod heimgesuchtes Loch hat und der Hochmagier hier geschickt?“ Der Mann verzog mürrisch das Gesicht.

    „Araya.“ Die Blumenfrau blickte leicht generft zu dem Mann hoch.

    „Ah… Araya… ich kann den Tod und die Unreinheit dieses Ortes riechen.. hier lässt sich einiges an Gold verdienen!“ Er ließ, um seine Worte zu unterstreichen, seinen Streitkolben durch die Luft fahren.

    „Gold verdienen? Was für eine Art Paladin wart ihr noch gleich?“ Die Blumenfrau wirkte empört.

    „Na hört mal… ich habe ein Auskommen, welches erarbeitet werden muss…“

    „Vergesst nicht, warum wir hier sind!“ Die Elfe sah die beiden streng an.

    Die beiden verstummten und blickten verlegen weg, dabei fiel der Blick der Blumenfrau auf Archery. Sie sah sie eindringlich an und stieß der Elfe mit dem Ellenbogen in die Seite.

    Die Elfe blickte in Archery´s Richtung und murmelte etwas, was sich anhörte wie..

    „.. das wäre ja viel zu einfach…“

    Langsam ging die Elfe auf Archery zu und musterte sie. Archery war viel zu schockiert, um zurück zu weichen. Die Elfe ging vor ihr auf die Knie, strich ihr durch ihre langen blonden Haare und für leise flüsternd mit einem Finger über die Rune auf ihrer Wange.

    „Sag Mädchen…“ ihre Stimmte zitterte ein wenig aufgeregt. Ist dies eine Rune von Harrogath?“

    Archery nickte vorsichtig.

    Der Atem der Elfe bebte.

    „Wie heißt euer Anführer? Heißt er Rik?“

    Das war zu viel für Archery. Sie stolperte von der Elfe weg und rannte davon. Sie wurde gewarnt vor drei Fremden...


    Venexias Atem bebte und ihre Hände zitterten. Adrenalin schoss ihr vor lauter Aufregung durch die Adern und ließ ihre Augen tränen. Angst und Freude zugleich machten sich in ihr breit. Sie winkte dem Paladin und der Druidin zu ihr zu folgen und folgte dem Weg den das Mädchen geflohen war.

  • Unerwartetes Wiedersehen



    Archery rannte, als wenn der Teufel hinter ihr her wäre. Sie eilte durch enge Gassen und über breite Straßen, doch jedes mal, wenn sie einen Blick über ihre Schulter warf, kam es ihr so vor, als wäre die Elfe hinter der nächsten Ecke. Sie musste sich einmal blitzartig ducken, um einem gepanzerten Handschuh zu entkommen, welcher wie aus dem Nichts nach ihr griff. Es war, als wüssten ihre Verfolger genau wo sie war, doch war es ihr ein Rätsel, wie sie überall um sie herum auftauchen konnten. Sie kam schnaufend auf einem Marktplatz zum stehen und sah sich um. Überall liefen Menschen und andere Wesen durcheinander, boten brüllend ihre Waren feil, oder versuchten einen guten Preis zu erhandeln. In all dem Trubel sollte sie sicher sein.

    Archery ging ein paar Schritte rückwärts, als zwei Hände sie sanft an den Schultern berührten. Ihr Atem setzte einen Moment aus und sie verfiel kurzzeitig in Schockstarre und dann war da Wärme. Die Angst wich und sie fühlte sich von einem Moment auf den anderen geborgen.

    „Bitte…“ die Stimme klang flehentlich… „lauf nicht weg. Ich werde dir kein Leid zufügen.“

    Archery drehte sich langsam zu der Stimme um und sah in zwei Türkisgrüne Augen.

    Sie verlor sich beinahe in der Tiefe dieser Augen und merkte beinahe nicht, wie sich die Hände der Elfe von ihr lösten.

    „Ich.. wollte dich nicht erschrecken.. ich sah nur diese Rune..“ sie deutete auf Archery´s Wange.. „und..“ sie holte ein kleines Medaillon unter ihrem Gewand hervor, in welches genau die selbe Rune graviert war.

    Eine einsame Träne kullerte ihre Wange hinunter.

    „Ich bin schon so lange auf der Suche… und.. ich war so voller Hoffnung..“

    Archery unterbrach sie.

    „Ihr seid eigentlich wegen mir hier und seid auf etwas unerwartetes gestoßen.“

    Einen zitternden Atemzug ausstoßend nickte die Elfe.

    „Man nennt mich Venexia.“ Sie verbeugte sich leicht vor Archery.

    „Wo sind eure beiden Begleiter? Der Krieger und die.. Blumenfrau?“

    Venexia lächelte.

    „Meine Begleiter, Gatame, ein Paladin des Lichts und Yoshi, eine Druidin, machen die Tavernen der Stadt unsicher. Sie werden wieder zu uns stoßen, wenn wir zur Festung aufbrechen, doch bis dahin würde ich mich gerne mit dir unterhalten.“

    Archery schluckte.

    „Nagut..“ piepste sie kleinlaut.

    Venexia legte Archery eine Hand auf den Rücken und führte sie mit einladender Geste und freundlichen Lächeln in die nächste Taverne.


    „Gebt mir noch einen Krug davon!“ Rief Gatame, knallte seinen leeren Krug auf den Tisch und Biss in eine Hühnerkeule. Yoshi starrte ihn kopfschüttelnd an.

    „Was für eine Art Paladin seid ihr noch gleich?!“

    Gatame sah kauend von seinem Mahl auf.

    „Wiefo?“ brachte er kauend heraus was Yoshi mit ein genervtes Augenrollen beantwortete.

    „Ihr seid nur am Essen..“ Gatame rülpste laut.

    „Nur am Saufen..“ Er wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab.

    „… und Manieren habt ihr auch keine! So hab ich mir einen Paladin nicht vorgestellt!“

    Die Druidin verschränkte enttäuscht die Arme vor der Brust und sah Gatame wütend schmollend an, welcher sichtlich irritiert wirkte.

    „Wie genau habt ihr euch einen Paladin vorgestellt?“

    Sie schlug frustriert mit der Hand auf den Tisch.

    „Na.. nicht SO. Ein Paladin muss immer und zu jeder Zeit ein leuchtendes Beispiel sein! Ein strahlender Ritter.. Ein Mann mit Etikette und Edel und… ach…“

    Er nahm freudig strahlend einen neuen Krug Met entgegen, trank einen Schluck und musterte dann seine Begleiterin.

    „Nun.. ich BIN ein Paladin…, aber das was ihr beschreibt bin ich schon lange nicht mehr!“

    Seine Laune verdunkelte sich merklich.

    „Ich kämpfe immer noch für die Schwachen! In mir strahlt immer noch das Licht der Rechtschaffenheit!“ Sie sah ihn mit großen blauen Augen an und strich sich eine verirrte pinke Locke aus dem Gesicht.

    „.. aber ich werde für diese verkommenen Massen, welche sich nur um sich selbst scheren und kein Funken von Dankbarkeit hervor bringen können KEIN leuchtender Ritter mehr sein!“ Er gestikulierte wedelnd mit einer Hand wie ein Adeliger vom Hofe.

    Die Ellenbogen auf dem Tisch legte Yoshi, wieder schmollend, ihren Kopf in die Hände.

    „Ich hab mich so auf einen Paladin gefreut… und bekommen hab ich einen Barbar… so wie die da drüben..“ Sie deutete auf eine Gruppe großer tätowierter Krieger, welche sich ebenso benahmen wie Gatame. Laut. Ungestüm. Und ohne Manieren.

    Jene Barbaren hatten das maulen der Druidin mitbekommen und hoben grölend ihre Krüge den beiden entgegen. Gatame grölte zurück und bald darauf saß er bei den Barbaren am Tisch, was in einem Armdrückwettkampf endete.

    Yoshi schnaufte genervt und verließ die Taverne.


    „Ihr wart mit dem Ding zusammen?“ Archery sah Venexia ungläubig an. „Wie funktioniert das?“ Venexia lächelte schwach und wehmütig.

    „Er war nicht immer dieses Ding. Vor zwanzig Jahren war er ein Mensch, bis er von einem Dämon verflucht wurde.“ Archery nickte verstehend.

    „Ein schwerer Kampf trennte uns und ich hielt ihn lange für tot, bis sich der Teil seiner Seele, welcher mir gehört, regte.“ Sie hielt das Medaillon hoch, welches sie ihr bereits auf dem Marktplatz gezeigt hatte.

    „Wie kommt man in den Besitz einer Seele… oder einem Teil davon?“ Sie sah die Elfe neugierig an, konnte sich aber denken darauf keine Antwort zu erhalten.

    „Naja…“ Venexia lächelte verlegen… „...es gibt viele Möglichkeiten… eine davon hat mit Sex zu tun… aber das müssen wir jetzt nicht weiter erörtern!“

    „Verzeit.. ich wollte nicht..“ Archery brach mitten im Satz am und errötete ein wenig.

    „Mach dir keine Gedanken Kind.. du kannst nichts dafür.“

    Sie schwiegen eine Weile in peinlicher Stille, bis Venexia diese wieder durchbrach.

    „Sag.. ist dir bewusst wer und was du bist?“

    Archery überlegte, wie sie darauf antworten sollte. Die Elfe wusste viel über sie. Zu viel für ihren Geschmack und mehr als sie selbst.

    „Wenn ich den Barbaren glauben schenken darf, bin ich eine ihres Volkes.“ Sie richtete sich ein wenig auf und versuchte das selbe Selbstvertrauen auszustrahlen wie die Krieger ihres Schutzherren. Venexia verschluckte sich an ihrem Wein und hustete heftig.

    „Wie kommen sie darauf?“ brachte sich ächzend heraus.

    Archery zuckte mit den Schultern.

    „Nun… das würde erklären, warum du unter ihren Schutz stehst..“ sie sahen beide überrascht auf, als die Druidin in die Taverne gestürmt kam und ungefragt an ihren Tisch platz nahm. Sie funkelte die Elfe böswillig an, welche ihrerseits fragen die Augenbrauen hob.

    „Ihr zieht das alles unnötig in die Länge! Wir haben das Mädchen, also lasst uns gehen!“

    Die Elfe biss sich auf die Unterlippe und Archery gefror das Herz. War sie naiv genug, um in eine Falle getappt zu sein?..

    „Ich kann nicht..“ Archery und die Druidin sahen Venexia überrascht an.

    „WIE? Ihr KÖNNT nicht??“ Eines der unteren Augenlider der Druidin begann zu zucken.

    „Er ist hier.. ich kann nicht gehen.. nicht nach all den Mühen, welche ich auf mich genommen hab, um ihn zu finden..“ Sie konnte ihr nicht in die Augen sehen.

    Archery versuchte die Situation auszunutzen und rutschte langsam von ihrem Stuhl, während die beiden so stark aufeinander konzentriert waren. Die Druidin schnippte mit den Fingern und die Ranken einer Schlingpflanze wuchsen zwischen den Fugen des Bretterbodens empor und Fesselten Archery an ihren Stuhl. Mit wehendem Pinken Haar zuckte der Kopf der Druidin zu ihr herum.

    „Glaub bloß nicht du könntest Yoshi davonlaufen Süße!“ Sie kniff Archery in die Wange und sah wieder zu Venexia.

    „Wie er ist hier?“ Yoshi rutschte auf ihrem Stuhl näher an den Tisch heran, wie ein aufgeregtes Kind. Ihr Mund stand offen und ihre Augen schienen an Größe zugenommen zu haben. Das blau ihrer Iris schien förmlich zu leuchten.

    „Er ist hier, mit einigen Angehörigen seines Volkes in..“ sie sah fragen zu Archery rüber.

    „In der Burg“ ächzte sie, und wand sich in dem festen Griff der Ranken.

    Aus irgendeinem unerklärlichen Grund schien das die Stimmung von Yoshi aufzuhellen.

    Sie stand grinsend auf und klatschte in die Hände.

    „Na dann lasst und dort hin gehen!“ Sie streckte eine Hand nach Archery aus und zog an den Ranken, welche sich vom Stuhl lösten nicht jedoch von ihr selbst. Venexia erhob sich nur sehr zögerlich.

    „Jetzt kommt schon, oder muss ich den besoffenen Paladin schicken, um euch zu holen?“

    Die Elfe machte große Augen und bewegte sich ein bisschen schneller.

    „Wenn wir jetzt zur Burg gehen, können wir dann dieses.. Zeug weg lassen? Da wäre ich sowieso hin geflüchtet…“ Archery sah die beiden flehend an und Venexia nickte. Ein neuerliches Fingerschnippen und die Ranken fielen von Archery ab und verschwanden im Boden. Die Druidin grinste sie höhnisch an, wohl wissend, das Archery ihr nicht mehr entkommen kann. Sie verließen die Taverne und Schlugen ihren Weg in Richtung Burg ein. Auf dem Weg dorthin stolperte Gatame triumphierend grinsend aus einer anderen Taverne heraus und schloss sich ihnen an. Er wog einen kleinen Lederbeutel in der Hand, aus dem ein klimperndes Geräusch kam. Yoshi sah ihn wütend an.

    „Ihr seid einfach unmöglich!“ Sie sah beleidigt in eine andere Richtung und ging etwas schneller. Er sah ihr irritiert nach und murmelte etwas. Es klang wie „Weiber..“

    Archery wusste nicht, was sie über dieses Trio denken sollte. Sie wirkten sehr chaotisch und unprofessionell auf sie. Vielleicht waren ihre Chancen doch nicht so schlecht hier zu bleiben, als gegen ihren Willen wieder ins Unbekannte gestoßen zu werden.

    Sie zuckte mit den Schultern und folgte der Druidin weiter in Richtung Burg, die Elfe neben sich und den Paladin in ihrem Rücken. Je näher sie der Burg kamen desto unruhiger wurde die Elfe und hinter den Toren zog sie eine Kapuze, welche vorher nicht dagewesen schien, tief ins Gesicht. Archery konnte ihren zitternden Atem hören.

    Mittlerweile hatte Archery die Führung der Gruppe übernommen, da ihre drei Häscher zum einen nicht wussten, wo sie hin mussten und zum anderen die Druidin an Venexia mehr ziehen musste, als das diese freiwillig einen Fuß vor den anderen setzte.

    „Vielleicht war das doch keine so gute Idee… was wenn er mich nicht sehen will?!“

    Sie schniefte ein wenig und Tränen standen ihr in den Augen, welche sie mit ihren Ärmeln immer wieder weg tupfte.

    „Hab ich was verpasst?“ Der Paladin legte eine seiner Hände auf die Schulter der Elfe und sah sie stirnrunzelnd an. Yoshi dagegen grinste bis über beide Ohren wegs der Vorfreude auf dieses sich bietende Schauspiel.

    „Ihr geliebter ist in dieser Burg und sie hat ihn seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Ich könnte platzen vor Spannung was bei dem wiedersehen passieren wird!“

    „Hmm..“ Gatame kratzte sich am Kopf. „Seid ihr nicht gut auseinander gegangen?“

    Venexias stimme war belegt und ihre Zunge fühlte sich schwer an.

    „Naja… um es kurz zu machen.. wir kämpften gegen einen Dämon, welcher ihn verflucht hat und.. wir haben uns verloren.. ich dachte er wäre tot..“

    Er kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe.

    „Und jetzt habt ihr Angst, dass er euch zum Teufel jagt!“ Es war keine Frage. Nur ein Idiot konnte nicht erkennen, dass es der Elfe schlecht ging. Sie nickte vorsichtig und tupfte sich erneut ein paar Tränen weg.

    „Ich kann euch diese Last nicht abnehmen, aber ich versichere euch, dass ihr euch auf ewig hassen werdet, wenn ihr jetzt umdreht!“ Die drei sahen Archery überrascht an, welche für ihr junges alter ihnen so eine einfache und doch wahre Weisheit präsentierte.

    Sie durchschritten ein großes Tor, welches offensichtlich nachträglich in die Wand des Gebäudes eingebaut wurde blieben in einem langen, breiten Gang stehen. Zwei Harrogathianer in schwerer Rüstung versperrten ihnen den Weg und sahen die Gruppe misstrauisch an. Einer von ihnen sprach Archery direkt an.

    „Geht es dir gut Mädchen? Wer sind die drei?“

    „Dies sind Angehörige vom Orden der Magier, aus Avalon.. sie wollen zum Fürsten..“

    Die beiden Krieger mussten die Gruppe eindringlich. Sie murmelten und diskutierten miteinander. Archery verstand ihre Sprache mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass der eine die drei gerne gleich ausweiden würde, der andere dagegen schien das für keine gute Idee zu halten und wollte der bitte der Gruppe lieber nachkommen.

    „Ihr könnte die drei durchlassen, schließlich sind schon andere ihres Ordens hier in der Burg.. es würde keinen unterschied machen..“

    Sie sahen Archery an, nickten und ließen die Gruppe passieren.

    Archery führte die drei durch ein weiteres Tor hinter dem eine große Halle wartete. Säulen stützen die Decke und ein großer Thron stand am Ende der Halle, auf dem ihr Fürst saß. Er erhob sich und kam der Gruppe mit langsamen Schritten und bedrohlicher Mine entgegen, seinen Schlachthammer in den Händen, bereit die Magier auszulöschen.

    Archery konnte die Venexia nun schluchzen hören. Sie hob ihre Hände vor den Mund und viel vor auf die Knie. Tränen, schwarz von der künstlichen Farbe auf ihren Wimpern, liefen ihr die Wangen hinunter und tropften geräuschlos zu Boden.

    Der Golem blieb stehen und legte fragend den Kopf zur Seite. Ein grollen entstieg seiner Kehle.

    „Erklär mir dies Archery.“ Er zeigte auf die Elfe und schien sichtlich irritiert zu sein.

    Archery wollte gerade etwas sagen, als Venexia mit zitternder Stimme ihr zuvor kam.

    „Es ist so lange her… ich dachte du wärst tot..“

    Der Golem ging einen vorsichtigen Schritt zurück. Überraschung lag in seinem Gesicht und er wirkte verunsichert.

    „Ich habe so lange nach dir gesucht..“ Venexia erhob sich zitternd.

    „Eure Stimme.. sie kommt mir bekannt vor..“ Er ließ sein Hammer so Boden sinken und kam einen vorsichtigen Schritt auf Venexia zu. Archery konnte den Paladin mit der Druidin tuscheln hören, da sie nicht verstanden was die beiden sagten. Es überraschte sie selber, dass Venexia Harrogaths Sprache beherrschte. Die Elfe holte ihr Medaillon aus ihrem Gewand.

    „Vor vielen Jahren schenktest du mir einst dies.. in ewiger Liebe..“ ihre Stimme versagte.

    Der Golem ließ sich langsam auf ein Knie vor ihr sinken. Er hatte den Atem angehalten und schob vorsichtig Venexias Kapuze zurück. Er keuchte.

    „Ve..venexia..“ Die Zeit schien still zu stehen, als sich die Blicke der beiden trafen. Die anderen beiden hatten ebenfalls den Atem angehalten und starrten gespannt und mit offenen Mündern auf die Elfe und den Golem.

    Er schob ganz sanft seine Hände unter sie und hob sie auf Kopfhöhe hoch.

    „Ich sehnte diesen Moment so sehr herbei und fürchtete mich gleichzeitig davor…“ Venexia legte eine ihrer Hände an die Wange des Golems und lächelte schwach.

    Er atmete zitternd aus.

    „Jeder Tag ohne dich fühlte sich an wie ein Zeitalter ohne freuden..“

    Sie schluchzte und legte ihre Stirn an die seine.

  • FSK-Warnung!

    Der folgende Beitrag ist für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet.


    Besten Dank an Nigthrin für künstlerische Zugabe!


    Visionen


    Rin saß auf ihrem Bett und lauschte dem prasselnden Feuer im Kamin. Kalt war es draußen geworden und die Leute wurden mürrisch, doch das Kaminfeuer hielt die Kälte ab. Gähnend streckte sie sich und ließ sich in ihr weiches Bett sinken. Es war nicht ihr Plan gewesen jetzt noch in der Stadt zu sein, doch wurde es unter Todesstrafe verboten die Stadt zu verlassen. Scheinbar hatten die hohen Herren Angst, dass zu viele flüchten würden und dadurch die Verteidigung gegen die bevorstehende Belagerung zu sehr geschwächt werden würde. Dennoch kam täglich mindestens ein neues Schiff an, entlud seine Fracht und verschwand wieder. Sie kuschelte sich in ihr Kissen und ließ ihre Gedanken schweifen…

    … ein Geräusch ließ sie hochschrecken. Das Feuer im Kamin war nur noch schwach und klein und sie beschloss aufzustehen und Holz nachzulegen. Sie hasste Kälte. Sofort fing das Feuer wieder an zu prasseln, als ihm Nahrung zugeschoben wurde und in den aufhellenden Licht betrachtete sich Rin im Spiegel. Langes weißes Haar fiel ihr über ihre Schultern bis zu ihren Brüsten. Sie fuhr sich mit ihren Fingern sanft über ihre Kurven und betrachtete ihre Silhouette. Ein Schatten bewegte sich hinter ihr. Sie konnte eine massige Gestalt erkennen, bedeckt mit stahlharten Muskeln, welche sich ihr von hinten näherte. Ihr Herz schlug schneller. Starke Hände umschlossen ihre Taille und fuhren sanft über ihre Haut. Ihr Atem begann zu zittern. Heißer Atem blies ihr in den Nacken und die Hände fuhren höher und höher, bis sie ihre Brüste erreicht hatten. Fingerspitzen fuhren über die Haut ihrer Brüste und umkreisten ihre Brustwarzen bis diese vor Erregung hart waren. Ein leises ploppen erklang und eine warme, wohlriechende, ölige Flüssigkeit ergoss sich über ihre Schultern, welche von der Gestalt sogleich über ihrer Haut verteilt wurden. Sie fing an ihre Brüste mit sanften druck zu kneten und Lippen küssten ihren Hals. Rin seufzte vor Erregung. Eine Hand glitt zu ihren Schritt herab und kreiste sanft über ihre Venus. Sie keuchte. Der druck wurde fester und ihr Körper fühlte sich heißer. Rin stöhnte vor Lust und biss sich auf die Unterlippe. Sie wurde leicht nach vorne gebeugt und konnte spüren, wie etwas großes und hartes in sie von hinten eindrang und sich in rhythmischen Bewegungen vor und zurück bewegte, während ihre Brüste gleichzeitig stark geknetet wurden. Laut stöhnend hielt sich Rin am Spiegel fest und versuchte einen Blick auf ihren Liebhaber zu werfen, als sie plötzlich etwas anderes sah.

    Ein Mann. Groß und stattlich, gehüllt in einer schweren Rüstung.

    Er stand auf einem Haufen von Leichen und brüllte Triumphierend, seine Hände von goldenen Licht umhüllt.

    Das Bild verzehrte sich kurz und wieder stand der Krieger da und Schlug mit einem großen schweren Streitkolben morsche Schädel zu Brei, während er eine Litanei des Hasses seinen Feinden vortrug wie ein Priester ein Gebet seinen Gläubigen.





    Ein großer Schädel, welcher einem Drachen gehören könnte, schob sich hinter ihn aus der Dunkelheit. Giftiges Licht glomm in den Augenhöhlen der Bestie.

    Sie sah vom Spiegel weg und fand sich auf ihrem Bett wieder. Sie lag auf dem Rücken und verlor sich im Liebesspiel. Sie stöhnte und schrie vor Ekstase bis etwas heißes auf sie herab tropfte. Rin sah auf und blickte zu einem toten Drachenschädel empor. Grässliche klaffende Wunden eiterten in seinem ursprünglich edlem Antlitz und eine stinkende klebrige Flüssigkeit tropfte auf sie herab. Rin schrie.

    Mit einem Schrei richtete sich Rin in ihrem Bett auf und sah sich schwer atmen in ihrem Zimmer um. Licht kam zu den Fenstern herein und das Feuer im Kamin war schon lange herunter gebrannt. Sie fuhr sich schniefend durchs Gesicht. War das echt?

    Zittrig stand sie auf und ließ ihr nassgeschwitztes Nachtgewand zu Boden gleiten. Sie konnte es immer noch riechen.. diesen süßen Duft...