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    Die befleckte Sonnenstadt


    Es war eine dunkle Nacht. Dennoch erschien der Schnee, durch den Mond angestrahlt, förmlich zu glühen. Er war diesen Winter beuteten tiefer als die letzten Jahre über. Normalerweise schmilzt der meiste Schnee aufgrund der Vulkanaktivitäten auf dem Kontinent von Periswhite schnell ab. Doch diesmal waren die Vulkane scheinbar selbst in einen Art Winterruhe gegangen zu sein. Dörfer und Städte mussten für die nächste Zeit keine Angst haben durch Erdbeben durchgerüttelt zu werden, welche die Vulkane sonst immer ausgelöst hatten. Nein Vulkane waren diesmal nicht das größte Übel…


    Am Rande des Kontinents, an einer sehr schroffen Küstengegend lag eben eine solche Stadt. Ihr Name war Nova. Der Name war inspiriert durch den Namen der Sonne selbst. Nova, eine Stadt, die durch warme Strömung von Sunimperial ebenso für ein milden Winter bekannt war, brachte die Nacht zum Leuchten. Berühmt für Lichtfeste, wo Laternen in den Himmel emporstiegen, große Festfeuer abgehalten wurden sowie andere Rituale, um so den dunkleren Winter zu verbannen. Eins Mal bekannt für ebenso große Schauspielkunst und Handel. Doch blieb dies nicht von ewiger Dauer und so musste sie einen schrecklichen Wandel durchleben.


    Die Menschen waren nicht sehr abergläubisch. Allerdings machten sich mehr und mehr Gerüchte breit, die von vermissten berichten, die meist plötzlich, wie aus dem Nichts wieder auftauchten. Ein jeder schwieg für sein Verbleib und zusätzlich schien sich ihr Wesenszug zu ändert. Sie trennten sich von ihren Partnern und fingen an einen eher dekadenten Lebensstiel zu entwickeln. Auch ihrer Körber schien immer eine Veränderung durchzumachen. Als wäre ihrer Haut, für die Umgebung entsprechend, nicht schon bleich genug, wurde sie zunehmend heller. Ein grau bläulicher Teint überschattete den sonst eher üblichen weißlichen Hautton. Auch schien es ausschließlich Männer im mittleren Alter zu betreffen. Zwar gab es vereinzelt auch Gerüchte über andere Opfer, doch der klare überwiegende Teil waren eben Männer.


    Anfangs scherzte man noch über die üble „Männergrippe“. Doch schon bald nahm diese eine solche Ausmaße an, auf welch sich keiner mehr ein Reim machen konnte. So gab es auch später Berichte über irgendwelche Schatten, Monster, Gestalten, die sich Eintritt in den Opferhäusern verschafft haben sollen. Geschichten von Rufen und Gesänge, die die Unschuldigen in den Wald lockten. Viele glaubten daran, dass das Schloss in den Bergen damit was zu tun haben könnte. Es war ein verlassender Ort und doch so manch Einer meinte ein Licht in den Fenstern gesehen zu haben. Aber in einem waren sie Alle sich einig. Etwas stimmte in der Stadt schon lange nicht mehr. Nur wusste keiner einen Rat.


    Schlimmer noch. Die ganzen Geschichten wurden, wie ein Laubfeuer auf den ganzen Globus verteilt. So wurde die eins so schöne Stadt, ja fast schon heilige (Saint) Nova in Stained Nova erklärt. Die nun „befleckte Stadt“ war in Windeseile ein Loch für grässliche Geschichten geworden. Der gute Ton war es jetzt, in der Stadt nachts herumzuhuren und oder sich das restliche Geld hinter der Binde zu kippen.


    Wer es nicht schaffte rechtzeitig aus der Stadt zu fliehen, musste bleiben. Gerade Frauen hatten es schwer. Die meist Verlassenden hatten meist sowieso kein Geld und wer sich anderswo bewarb, musste sich üblen Vorurteilen stellen. „Alles nur Huren, seien nur auf Geld aus, seien Vampire, die die Krankheit mitbrachten, waren meist die Vorwürfe. Letzteres ging am Ende so weit, das selbst ein neues Wort dafür in aller Munde war. Jemanden zu novarieren hieß nicht, wie man erst erahnen könnte, jemanden zu erleuchten, sondern einen zu verführen und oder zu verderben. Immer mehr Frauen wurden dazu bezichtigt Männer zu novarieren und brächten somit Unheil. Ein Feindbild wurde geschaffen. Egal ob zu Recht oder Unrecht. Eine Erklärung musste für die Menschen herhalten. Ein jeder Nachbar war damit ein der potenziale Feind und so gab es vermehrt Gewalt als auch Hass auf den Straßen von Stained Nova…




    Das Schloss in den Bergen


    Allerdings gab es auch Leute, die diese Lüge nicht hinnehmen konnten und auf eigene Faust herausfinden wollten, was in ihrer einst vertrauten Heimat passierte. So auch Hielo. Der Junge, stammend einst aus Nova hatte sein Geliebte durch die Geschehnisse verloren. Er konnte nur zusehen, wie seine eigene Regierung seine Vertraute, beim lebendigen Leib, am Scheiterhaufen verbrannte. glauben bzw. verarbeiten konnte er es nie. Gekannt hatte er sie zu gut, als dass sie eine dieser „Hexen“ sei, von denen immer die Rede gewesen sei. Er war überzeugt davon, dass nicht seine Freundin oder allgemein Frauen Schuld hatten und auch, dass somit die Wurzeln des Übels nicht in der Stadt selbst zu finden waren.


    Hielo hatte ebenfalls die Geschichten gehört, als auch die, über das merkwürdige Schloss in den Bergen. Schon früher, als Kinder habe er viele Gerüchte über das Anwesen gehört. Sie erzählten von Wesen, welche dort leben sollen, welche unsterblich sein sollen und auch Kinder fraßen. Der letzte Teil diente wahrscheinlich mehr, um neugierige Leute von diesem Ort fernzuhalten, als dass es er Wahrheit entspräche, nahm er an. Aber sicher war er sich, dass in diesen Legenden, irgendwo ein Körnchen Wahrheit stecken musste.


    Noch vor den ersten Sonnenstrahlen brach er am frühen Morgen auf. Der Weg war ein sehr weiter und er hatte nicht vor bei Nacht den dunkleren Ort zu betreten. Allerdings verschätze sich so sehr, so dass er erst gegen Abend den Prachtbau erreichte. Nun stand der direkt davor und bewunderte die sandsteinfarbente Gemäuer mit den blutroten Dachziegeln, die unter den weiß glitzernden Schnee durchschienen. Die Anlage war erstaunlicher Weise noch gut im Takt. “Ein Beweis, dass wer hier noch am Walten täte?“ wunderte er sich. Mit einem blinzelnden Blick schaute er über die Dächer der Türme, wo dahinter gerade die Sonne anfing, unterzugehen. Das Rotweiß der Dächer vermischte sich mit den Farben der Sonne und ergab ein leuchtendes Orange. Ein „Herrlich, wie wunderschön“ durchging im Kopf. Dabei musste er unweigerlich an seine Gefährtin denken. Wie schön wäre es gewesen diesen Anblick teilen zu können. Aber noch ehr er diesen Gedanken zu Ende denken konnte, wurde er von einem typischen menschlichen Schrei zurückgeholt. Allerdings, es war nicht diese Sorte von Schrei, welche man einen Angstschrei nennen könnte.


    Hielo schüttelte den Kopf. Er glaubte sich verhört zu haben. Dennoch, daraufhin überstieg ihn eine so große Neugier, dass er die Tatsache außer Acht lies, dass es am Dämmern war und er nicht im Stockdüsteren umher wandeln wollte. Das Tor, welches er begann zu durchtreten war riesig und bestand aus soliden Dukeleichenholz. Es war bemalt mit Ornamenten, Rosenranken und in der Mitte war ein großes Herz abgebildet, welches nicht hellrötlich ausgemalt war. Eher dunkelrot bis tiefschwarz war das Herz, dass umgeben war von sich drumwickelnde Ranken, die augenscheinlich versuchen, das Herz zu umarmen oder zu liebkosen. Seine Augen konnten den bizarren Anblick sich erst nicht losreißen. Drei Mal schluckte er, bevor er den nächsten Schritt wagte.


    Das große Eichentor ging leichter auf als erwartet. Doch das Knarren war so laut, dass es durch die ganzen Flure hallte. Wenn wer hier noch lebte, so war Hielo‘s Gedanke, wüsste dieser jetzt, dass wer in Begriff war einzutreten. Der Hauptsaal war hell erleuchtet. Das Sonnenlicht brach sich oben an den Fenstern, die sich auf der anderen Seite befanden. Vor ihnen zu Füßen liegend, schlängelten sich Treppen hinab, die einen willkommen heißen zu schienen. Hielo lauschte einige Minuten, ob sich etwas im Haus regte. Außer einen purpurroten Teppich war sonst nichts zu sehen, weder passierte irgendetwas im Raum. Er trat weiter ein und war sich bewusst, dass er sich wahrscheinlich bald verlaufen würde. Rechts so wie links gingen ellenlange Gänge mit je nur noch mehr Gängen und Türen. Angezogen vom restlichen Licht der Sonne stieg er die Treppen hoch und hielt nach jedem Schritt inne. Auch die Treppe war laut am Knatschen, sodass man selbst davon Angst bekam.


    Oben angekommen erhaschte er einen Blick durch das Fensterglas. Ein grüner Innenhof erstreckte sich vor seinen Augen. Wunderschöne dunkelrote Rosen, welche zusammen mit, passend im Kontrast saftig grüne Zypressen den Hof zierten. Verstörend darin zu finden waren allerdings in der Mitte fünf Kreuze mit je einem Skelett angenagelt. Wie ein Mahnmal standen sie dort, wo ansonsten Leben erblühte. Seltsamerweise waren drei von Ihnen anscheint ehemals Kinder gewesen zu sein. Der Anblick erschauderte ihn zunehmend und er beschloss rasch sein Blick zu wenden. Sich fragend, was hier wohl geschehen sei, ging er den vor sich erstreckenden Gang weiter.


    Im Laufe der Stunde wurde es zusehends dunkler in den Eingeweiden des Bautes. Zum Glück schein genügend Licht, des Vollmondes durch die Fenster der Flure, welches immer noch einem die groben Umrisse erahnen ließen. Besonders aufdringlich empfand Hielo die vermehrt auftauchenden, obszönen aussehenden Gemälde. Wie die Motive ihn versuchten in ihren Bann zu ziehen. Rosen, Dornenranken und eine ansprechende Menge von nackter Haut, sprangen ihm förmlich ins Gesicht. Zudem wurden sie vom Mondlicht so der Art angeleuchtet, dass man sie nicht ignorieren konnte. „Was für verdorbene Triebe es wohl sein und warum an solch an einen Ort?“ Dachte er darüber nach und war dabei, um die nächste Ecke abzubiegen. Auch wenn er es nicht selbst Wahrnehmen wollte, ein Gefühl von geringer Erregung machte sich in ihm breit.


    Endlich schien der Gang ein Ende nehmen zu wollen. Doch genau da, an jenem Ende ein schmaler Streif von Licht durch einen Türspalt erstrahlte. Er blieb wie angewurzelt im Flur stehen. Hatte er doch richtig gelegen? Wie sollte er weiter vorgehen? Ein Schatten huschte durch den dahinterliegenden Raum. Hielo war so, als hätte er ein sanftes Kichern gehört. Er schluckte wieder dreimal, bevor er sich dem Zimmer nährte. Seine Hand tastete sich an einen Hosenbund entlang. Er suchte den Dolch, den er mit eingepackte hatte. Ein ausgebildeter Krieger war er nicht und der Umgang mit Schwertern im nicht vertraut. Allerdings wollte er nicht völlig schutzlos auf sein Abendteuer gehen.


    Mit vorsichtigen Schritten ging er auf die Tür zu. Ein angenehmer betörender Geruch kam Hielo entgegen. Sein Gesicht nährte sich dem Spalt, um so sehen zu können, was dahinter läge. Ein großes rotes Himmelbett stand in der einen Hälfte des Raumes, die er überblicken konnte. Jemand lag anscheint darin und da sich nichts rührte auch anscheint am Schlafen.


    Es war ihm klar, dass es nicht richtig sei. Dennoch wollte er es jetzt wissen. Entschlossen riss er die Tür auf und ging mit erhobenem Kopf auf das Bett zu. Doch erschrak er an den Anblick. Ein Körber, ein nackter männlicher Körber lag im Bett. Das ganze Bettlaken war vollgesogen mit Blut. Hielo erfror das eigene in den Andern. „Eine Leiche? Hier?“


    „Nein, keine Leiche“ erwiderte eine Stimme hinter ihm. Heilo drehte sich um, um den so restlichen Teil im Raum zu sehen. Eine Frau stand vor ihm. Sie war nicht bekleidet, nur ein schwarzes Stoffband lag um ihr linkes Handgelenk. „Diener halte ihn fest“ noch eher Hielo reagieren konnte packte ihm etwas von hinten. „der Mann lebte?“ dachte er sich. Die Schönheit am anderen Ende des Raumes verschränkte zufriedenstellen die Arme und lächelte Hielo scharmlos an. „Los! An die Wand mit ihm“. Eine Kraft ging von den Menschen hinter ihm aus, sodass Hielo sich nicht widersetzten konnte. Mit einem wuchtigen Schlag wurde er gegen die Wand gepresst. Er vernahm, dass der Geruch stärker wurde. Im Augenwinkel konnte er sehen, wie das Gesicht der Dame seinen näher kam. Sie hatte eine helle Haut, die fast schon wie feinster Pulverschnee wunderschön glänzte. Langes aschblondes Haar wehte im Wind ihrer Bewegung hin und her. Längere und etwas buschige Augenbrauen zockten aufgeregt und die darunter liegenden lila leuchtenden Augen wurden immer größer.


    Sie legte ihre Hand um seinen Hals und drückte beherzt zu. „Was gedenkst du hier zu suchen?“ entgegnete sie ihm und lies ihm ein weniger Luft zum Atmen. „Ich bin... bin auf der Suche nach einer Lösung für meine Heimat.“ Nur stotternd konnte er ihr eine Antwort geben. „ahhh Aber wozu den dieser kleine liebreizende Dolch? Du hattest doch sicher nicht vor mich damit zu töten oder“? Sie lächelte ihn an. „Nein… Nein. ich wollte nur wissen, ob wer hier lebte.“ Hielo kniff sich vor Angst die Augen zu. „Jaha das tun wir. Meine bescheidenen Diener und meine Wenigkeit leben hier. Aber weiter! erzähl mir mehr.“ Er fühlte, wie ihr Gesicht immer näherkam. Ihre Nasespitze streichelte sachte an seinen Wangen runter. „Hast du Angst?“ flüsterte sie ihm zu. Eine Antwort konnte er darauf nicht geben und vermied weiterhin den Augenkontakt. „Das ist ok. Alle haben beim erstmal Angst.“


    Nachdem einige Sekunden nichts passierte öffnete Hielo wieder seine Augen und blickte mit plötzlicher harscher Miene in das Frauengesicht. „Bist du böse auf mich?“ kicherte sie. Ihre Lippen nährten sich seinem Ohr. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass spitze Fangzähne zu sehen waren. Sie flüsterte ihm leise ins Ohr. „Bist du vielleicht doch ehr aus dem Grund hierhergekommen, um mir Gesellschaft zu leiste? Abermals stupste sie ihre Nase an Ihm. Eine aufbrausende Wut machte sich langsam in Hielo breit. “Wer seid ihr überhaupt und… was seid ihr“. „Meinst du, dass es angebracht ist, sowas einer Frau zu fragen? Bist du nicht der, der hier eingebrochen ist? Ich müsste dich das doch fragen oder?“ Es stimmte zwar, aber darauf wusste er keine Antwort zu geben. Er versuchte zu schlucken und merkte, wie die Hand, die immer noch an seinem Hals sich befand, stärker zudrückte.


    Wieder begann sie zu flüstern. „Meine Namen solltest du dir besser gut merken. Er wird dir persönlich noch sehr wichtig werden, weißt du?“ kichernd wechselte sie von Hielos Ohr zum Nächsten. „Ich bin Neraphine. Neraphine von Stained Nova. Ich werde eure Königin und du, so wie alle anderen werdet mir Folge leisten!“ Ihre zweite Hand erstastete sich in Hielos Schritt vor und packte, nachdem sie gefunden hatte, was sie suchte, fest zu. Das Ganze passierte so unerwartet, dass er vor Schreck den Dolch, den er feste in der Hand umklammerte, aus der Hand lies.


    „Nein, niemals“ entging es Hielos Mund empor. Sie drehte seinen Kopf etwas zu Seite, sodass er ihr ins Gesicht blicken musste. Sie biss sich leicht auf die Unterlippe und schaute ihm mit strengen Augen an. „ahhh doch das wirst du und das mit dem größten Vergnügen. Das verspreche ich dir.“ Ein sanftes Lächeln war zu sehen, bevor sie sie sich langsam mit ihrer Mund seinem Hals nährte. Hielo versuchte ein letztes Mal sich gegen seinen Peiniger, der immer noch ihm festsetzte, zu wehren. Doch egal wie sehr er sich auch schüttelte. Es gab schlicht weg kein entkommen. Seine Gedanken sprangen wie wild umher. Doch seinen letzten widmete er seiner Geliebten. Tränen flossen an ihm herunter und nach einem letzten Schrei wurde es ruhig im Raum.