Buch II

  • Buch: ? (18+)


    Die befleckte Sonnenstadt


    Es war eine dunkle Nacht. Dennoch erschien der Schnee, durch den Mond angestrahlt, förmlich zu glühen. Er war diesen Winter beuteten tiefer als die letzten Jahre über. Normalerweise schmilzt der meiste Schnee aufgrund der Vulkanaktivitäten auf dem Kontinent von Periswhite schnell ab. Doch diesmal waren die Vulkane scheinbar selbst in einen Art Winterruhe gegangen zu sein. Dörfer und Städte mussten für die nächste Zeit keine Angst haben durch Erdbeben durchgerüttelt zu werden, welche die Vulkane sonst immer ausgelöst hatten. Nein Vulkane waren diesmal nicht das größte Übel…


    Am Rande des Kontinents, an einer sehr schroffen Küstengegend lag eben eine solche Stadt. Ihr Name war Nova. Der Name war inspiriert durch den Namen der Sonne selbst. Nova, eine Stadt, die durch warme Strömung von Sunimperial ebenso für ein milden Winter bekannt war, brachte die Nacht zum Leuchten. Berühmt für Lichtfeste, wo Laternen in den Himmel emporstiegen, große Festfeuer abgehalten wurden sowie andere Rituale, um so den dunkleren Winter zu verbannen. Eins Mal bekannt für ebenso große Schauspielkunst und Handel. Doch blieb dies nicht von ewiger Dauer und so musste sie einen schrecklichen Wandel durchleben.


    Die Menschen waren nicht sehr abergläubisch. Allerdings machten sich mehr und mehr Gerüchte breit, die von vermissten berichten, die meist plötzlich, wie aus dem Nichts wieder auftauchten. Ein jeder schwieg für sein Verbleib und zusätzlich schien sich ihr Wesenszug zu ändert. Sie trennten sich von ihren Partnern und fingen an einen eher dekadenten Lebensstiel zu entwickeln. Auch ihrer Körber schien immer eine Veränderung durchzumachen. Als wäre ihrer Haut, für die Umgebung entsprechend, nicht schon bleich genug, wurde sie zunehmend heller. Ein grau bläulicher Teint überschattete den sonst eher üblichen weißlichen Hautton. Auch schien es ausschließlich Männer im mittleren Alter zu betreffen. Zwar gab es vereinzelt auch Gerüchte über andere Opfer, doch der klare überwiegende Teil waren eben Männer.


    Anfangs scherzte man noch über die üble „Männergrippe“. Doch schon bald nahm diese eine solche Ausmaße an, auf welch sich keiner mehr ein Reim machen konnte. So gab es auch später Berichte über irgendwelche Schatten, Monster, Gestalten, die sich Eintritt in den Opferhäusern verschafft haben sollen. Geschichten von Rufen und Gesänge, die die Unschuldigen in den Wald lockten. Viele glaubten daran, dass das Schloss in den Bergen damit was zu tun haben könnte. Es war ein verlassender Ort und doch so manch Einer meinte ein Licht in den Fenstern gesehen zu haben. Aber in einem waren sie Alle sich einig. Etwas stimmte in der Stadt schon lange nicht mehr. Nur wusste keiner einen Rat.


    Schlimmer noch. Die ganzen Geschichten wurden, wie ein Laubfeuer auf den ganzen Globus verteilt. So wurde die eins so schöne Stadt, ja fast schon heilige (Saint) Nova in Stained Nova erklärt. Die nun „befleckte Stadt“ war in Windeseile ein Loch für grässliche Geschichten geworden. Der gute Ton war es jetzt, in der Stadt nachts herumzuhuren und oder sich das restliche Geld hinter der Binde zu kippen.


    Wer es nicht schaffte rechtzeitig aus der Stadt zu fliehen, musste bleiben. Gerade Frauen hatten es schwer. Die meist Verlassenden hatten meist sowieso kein Geld und wer sich anderswo bewarb, musste sich üblen Vorurteilen stellen. „Alles nur Huren, seien nur auf Geld aus, seien Vampire, die die Krankheit mitbrachten, waren meist die Vorwürfe. Letzteres ging am Ende so weit, das selbst ein neues Wort dafür in aller Munde war. Jemanden zu novarieren hieß nicht, wie man erst erahnen könnte, jemanden zu erleuchten, sondern einen zu verführen und oder zu verderben. Immer mehr Frauen wurden dazu bezichtigt Männer zu novarieren und brächten somit Unheil. Ein Feindbild wurde geschaffen. Egal ob zu Recht oder Unrecht. Eine Erklärung musste für die Menschen herhalten. Ein jeder Nachbar war damit ein der potenziale Feind und so gab es vermehrt Gewalt als auch Hass auf den Straßen von Stained Nova…




    Das Schloss in den Bergen


    Allerdings gab es auch Leute, die diese Lüge nicht hinnehmen konnten und auf eigene Faust herausfinden wollten, was in ihrer einst vertrauten Heimat passierte. So auch Hielo. Der Junge, stammend einst aus Nova hatte sein Geliebte durch die Geschehnisse verloren. Er konnte nur zusehen, wie seine eigene Regierung seine Vertraute, beim lebendigen Leib, am Scheiterhaufen verbrannte. glauben bzw. verarbeiten konnte er es nie. Gekannt hatte er sie zu gut, als dass sie eine dieser „Hexen“ sei, von denen immer die Rede gewesen sei. Er war überzeugt davon, dass nicht seine Freundin oder allgemein Frauen Schuld hatten und auch, dass somit die Wurzeln des Übels nicht in der Stadt selbst zu finden waren.


    Hielo hatte ebenfalls die Geschichten gehört, als auch die, über das merkwürdige Schloss in den Bergen. Schon früher, als Kinder habe er viele Gerüchte über das Anwesen gehört. Sie erzählten von Wesen, welche dort leben sollen, welche unsterblich sein sollen und auch Kinder fraßen. Der letzte Teil diente wahrscheinlich mehr, um neugierige Leute von diesem Ort fernzuhalten, als dass es er Wahrheit entspräche, nahm er an. Aber sicher war er sich, dass in diesen Legenden, irgendwo ein Körnchen Wahrheit stecken musste.


    Noch vor den ersten Sonnenstrahlen brach er am frühen Morgen auf. Der Weg war ein sehr weiter und er hatte nicht vor bei Nacht den dunkleren Ort zu betreten. Allerdings verschätze sich so sehr, so dass er erst gegen Abend den Prachtbau erreichte. Nun stand der direkt davor und bewunderte die sandsteinfarbente Gemäuer mit den blutroten Dachziegeln, die unter den weiß glitzernden Schnee durchschienen. Die Anlage war erstaunlicher Weise noch gut im Takt. “Ein Beweis, dass wer hier noch am Walten täte?“ wunderte er sich. Mit einem blinzelnden Blick schaute er über die Dächer der Türme, wo dahinter gerade die Sonne anfing, unterzugehen. Das Rotweiß der Dächer vermischte sich mit den Farben der Sonne und ergab ein leuchtendes Orange. Ein „Herrlich, wie wunderschön“ durchging im Kopf. Dabei musste er unweigerlich an seine Gefährtin denken. Wie schön wäre es gewesen diesen Anblick teilen zu können. Aber noch ehr er diesen Gedanken zu Ende denken konnte, wurde er von einem typischen menschlichen Schrei zurückgeholt. Allerdings, es war nicht diese Sorte von Schrei, welche man einen Angstschrei nennen könnte.


    Hielo schüttelte den Kopf. Er glaubte sich verhört zu haben. Dennoch, daraufhin überstieg ihn eine so große Neugier, dass er die Tatsache außer Acht lies, dass es am Dämmern war und er nicht im Stockdüsteren umher wandeln wollte. Das Tor, welches er begann zu durchtreten war riesig und bestand aus soliden Dukeleichenholz. Es war bemalt mit Ornamenten, Rosenranken und in der Mitte war ein großes Herz abgebildet, welches nicht hellrötlich ausgemalt war. Eher dunkelrot bis tiefschwarz war das Herz, dass umgeben war von sich drumwickelnde Ranken, die augenscheinlich versuchen, das Herz zu umarmen oder zu liebkosen. Seine Augen konnten den bizarren Anblick sich erst nicht losreißen. Drei Mal schluckte er, bevor er den nächsten Schritt wagte.


    Das große Eichentor ging leichter auf als erwartet. Doch das Knarren war so laut, dass es durch die ganzen Flure hallte. Wenn wer hier noch lebte, so war Hielo‘s Gedanke, wüsste dieser jetzt, dass wer in Begriff war einzutreten. Der Hauptsaal war hell erleuchtet. Das Sonnenlicht brach sich oben an den Fenstern, die sich auf der anderen Seite befanden. Vor ihnen zu Füßen liegend, schlängelten sich Treppen hinab, die einen willkommen heißen zu schienen. Hielo lauschte einige Minuten, ob sich etwas im Haus regte. Außer einen purpurroten Teppich war sonst nichts zu sehen, weder passierte irgendetwas im Raum. Er trat weiter ein und war sich bewusst, dass er sich wahrscheinlich bald verlaufen würde. Rechts so wie links gingen ellenlange Gänge mit je nur noch mehr Gängen und Türen. Angezogen vom restlichen Licht der Sonne stieg er die Treppen hoch und hielt nach jedem Schritt inne. Auch die Treppe war laut am Knatschen, sodass man selbst davon Angst bekam.


    Oben angekommen erhaschte er einen Blick durch das Fensterglas. Ein grüner Innenhof erstreckte sich vor seinen Augen. Wunderschöne dunkelrote Rosen, welche zusammen mit, passend im Kontrast saftig grüne Zypressen den Hof zierten. Verstörend darin zu finden waren allerdings in der Mitte fünf Kreuze mit je einem Skelett angenagelt. Wie ein Mahnmal standen sie dort, wo ansonsten Leben erblühte. Seltsamerweise waren drei von Ihnen anscheint ehemals Kinder gewesen zu sein. Der Anblick erschauderte ihn zunehmend und er beschloss rasch sein Blick zu wenden. Sich fragend, was hier wohl geschehen sei, ging er den vor sich erstreckenden Gang weiter.


    Im Laufe der Stunde wurde es zusehends dunkler in den Eingeweiden des Bautes. Zum Glück schein genügend Licht, des Vollmondes durch die Fenster der Flure, welches immer noch einem die groben Umrisse erahnen ließen. Besonders aufdringlich empfand Hielo die vermehrt auftauchenden, obszönen aussehenden Gemälde. Wie die Motive ihn versuchten in ihren Bann zu ziehen. Rosen, Dornenranken und eine ansprechende Menge von nackter Haut, sprangen ihm förmlich ins Gesicht. Zudem wurden sie vom Mondlicht so der Art angeleuchtet, dass man sie nicht ignorieren konnte. „Was für verdorbene Triebe es wohl sein und warum an solch an einen Ort?“ Dachte er darüber nach und war dabei, um die nächste Ecke abzubiegen. Auch wenn er es nicht selbst Wahrnehmen wollte, ein Gefühl von geringer Erregung machte sich in ihm breit.


    Endlich schien der Gang ein Ende nehmen zu wollen. Doch genau da, an jenem Ende ein schmaler Streif von Licht durch einen Türspalt erstrahlte. Er blieb wie angewurzelt im Flur stehen. Hatte er doch richtig gelegen? Wie sollte er weiter vorgehen? Ein Schatten huschte durch den dahinterliegenden Raum. Hielo war so, als hätte er ein sanftes Kichern gehört. Er schluckte wieder dreimal, bevor er sich dem Zimmer nährte. Seine Hand tastete sich an einen Hosenbund entlang. Er suchte den Dolch, den er mit eingepackte hatte. Ein ausgebildeter Krieger war er nicht und der Umgang mit Schwertern im nicht vertraut. Allerdings wollte er nicht völlig schutzlos auf sein Abendteuer gehen.


    Mit vorsichtigen Schritten ging er auf die Tür zu. Ein angenehmer betörender Geruch kam Hielo entgegen. Sein Gesicht nährte sich dem Spalt, um so sehen zu können, was dahinter läge. Ein großes rotes Himmelbett stand in der einen Hälfte des Raumes, die er überblicken konnte. Jemand lag anscheint darin und da sich nichts rührte auch anscheint am Schlafen.


    Es war ihm klar, dass es nicht richtig sei. Dennoch wollte er es jetzt wissen. Entschlossen riss er die Tür auf und ging mit erhobenem Kopf auf das Bett zu. Doch erschrak er an den Anblick. Ein Körber, ein nackter männlicher Körber lag im Bett. Das ganze Bettlaken war vollgesogen mit Blut. Hielo erfror das eigene in den Andern. „Eine Leiche? Hier?“


    „Nein, keine Leiche“ erwiderte eine Stimme hinter ihm. Heilo drehte sich um, um den so restlichen Teil im Raum zu sehen. Eine Frau stand vor ihm. Sie war nicht bekleidet, nur ein schwarzes Stoffband lag um ihr linkes Handgelenk. „Diener halte ihn fest“ noch eher Hielo reagieren konnte packte ihm etwas von hinten. „der Mann lebte?“ dachte er sich. Die Schönheit am anderen Ende des Raumes verschränkte zufriedenstellen die Arme und lächelte Hielo scharmlos an. „Los! An die Wand mit ihm“. Eine Kraft ging von den Menschen hinter ihm aus, sodass Hielo sich nicht widersetzten konnte. Mit einem wuchtigen Schlag wurde er gegen die Wand gepresst. Er vernahm, dass der Geruch stärker wurde. Im Augenwinkel konnte er sehen, wie das Gesicht der Dame seinen näher kam. Sie hatte eine helle Haut, die fast schon wie feinster Pulverschnee wunderschön glänzte. Langes aschblondes Haar wehte im Wind ihrer Bewegung hin und her. Längere und etwas buschige Augenbrauen zockten aufgeregt und die darunter liegenden lila leuchtenden Augen wurden immer größer.


    Sie legte ihre Hand um seinen Hals und drückte beherzt zu. „Was gedenkst du hier zu suchen?“ entgegnete sie ihm und lies ihm ein weniger Luft zum Atmen. „Ich bin... bin auf der Suche nach einer Lösung für meine Heimat.“ Nur stotternd konnte er ihr eine Antwort geben. „ahhh Aber wozu den dieser kleine liebreizende Dolch? Du hattest doch sicher nicht vor mich damit zu töten oder“? Sie lächelte ihn an. „Nein… Nein. ich wollte nur wissen, ob wer hier lebte.“ Hielo kniff sich vor Angst die Augen zu. „Jaha das tun wir. Meine bescheidenen Diener und meine Wenigkeit leben hier. Aber weiter! erzähl mir mehr.“ Er fühlte, wie ihr Gesicht immer näherkam. Ihre Nasespitze streichelte sachte an seinen Wangen runter. „Hast du Angst?“ flüsterte sie ihm zu. Eine Antwort konnte er darauf nicht geben und vermied weiterhin den Augenkontakt. „Das ist ok. Alle haben beim erstmal Angst.“


    Nachdem einige Sekunden nichts passierte öffnete Hielo wieder seine Augen und blickte mit plötzlicher harscher Miene in das Frauengesicht. „Bist du böse auf mich?“ kicherte sie. Ihre Lippen nährten sich seinem Ohr. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass spitze Fangzähne zu sehen waren. Sie flüsterte ihm leise ins Ohr. „Bist du vielleicht doch ehr aus dem Grund hierhergekommen, um mir Gesellschaft zu leiste? Abermals stupste sie ihre Nase an Ihm. Eine aufbrausende Wut machte sich langsam in Hielo breit. “Wer seid ihr überhaupt und… was seid ihr“. „Meinst du, dass es angebracht ist, sowas einer Frau zu fragen? Bist du nicht der, der hier eingebrochen ist? Ich müsste dich das doch fragen oder?“ Es stimmte zwar, aber darauf wusste er keine Antwort zu geben. Er versuchte zu schlucken und merkte, wie die Hand, die immer noch an seinem Hals sich befand, stärker zudrückte.


    Wieder begann sie zu flüstern. „Meine Namen solltest du dir besser gut merken. Er wird dir persönlich noch sehr wichtig werden, weißt du?“ kichernd wechselte sie von Hielos Ohr zum Nächsten. „Ich bin Neraphine. Neraphine von Stained Nova. Ich werde eure Königin und du, so wie alle anderen werdet mir Folge leisten!“ Ihre zweite Hand erstastete sich in Hielos Schritt vor und packte, nachdem sie gefunden hatte, was sie suchte, fest zu. Das Ganze passierte so unerwartet, dass er vor Schreck den Dolch, den er feste in der Hand umklammerte, aus der Hand lies.


    „Nein, niemals“ entging es Hielos Mund empor. Sie drehte seinen Kopf etwas zu Seite, sodass er ihr ins Gesicht blicken musste. Sie biss sich leicht auf die Unterlippe und schaute ihm mit strengen Augen an. „ahhh doch das wirst du und das mit dem größten Vergnügen. Das verspreche ich dir.“ Ein sanftes Lächeln war zu sehen, bevor sie sie sich langsam mit ihrer Mund seinem Hals nährte. Hielo versuchte ein letztes Mal sich gegen seinen Peiniger, der immer noch ihm festsetzte, zu wehren. Doch egal wie sehr er sich auch schüttelte. Es gab schlicht weg kein entkommen. Seine Gedanken sprangen wie wild umher. Doch seinen letzten widmete er seiner Geliebten. Tränen flossen an ihm herunter und nach einem letzten Schrei wurde es ruhig im Raum.

  • Neraphine schaute aus dem Fenster. Es war am Schneien und der Mond strahlte hell in ihrem Zimmer. Aus purer Langeweile zählte sie die Schneeflocken, da sie sonst nichts zu tun hatte. Durch eine unheilbare Krankheit konnte sie nicht laufen und war auf ihrer Familie angewiesen. An diesen winterlichen Abend war es wieder besonders einsam für sie gewesen, als plötzlich jemand an ihrer Tür klopfte. Es war ein unangekündigter Besuch der ältesten Schwester Griset. Sie stand in der Türschwelle und strahlte mit leuchteten Augen zu Neraphine rüber.


    „Rate mal, wen ich heute im Dorf getroffen habe.“ Neraphine schmunzelte nur, da sie schon genau wusste, worauf ihre Schwester hinauswollte. Ihre älteste Schwester traf sich nämlich im Dorf einen Jungen, den sie scheinbar sehr liebte. Natürlich war es den Sprösslingen der Königsfamilie nicht gestattet sich mit den Allgemeinen Pöbel zu treffen, doch Griset war es egal. Niemand außer sie beide wussten von der Beziehung, die sie mit den Jungen aus dem Dorfe führte.


    „Ganz Nova würde in Scharm ersticken, falls wer das wüsste, Schwesterherz.“ Lachte Neraphine auf. „Aber Wieso? die Leute wünschen sich doch flachere Hierarchien. Wer weiß wie lange das noch gut gehen wird mit Vater. Das Volk ist eh schon im Aufruhr und mit jeden seiner peinlichen Auftritte wird es nur noch schlimmer.“


    „Du Griset? Was wird denn aus uns, falls das Alles tatsächlich zusammenbrechen sollte? … Speziell aus mir?“ Sie schaute mit gesenktem Kopf zu Boden. Sie wusste, was das heißen mag, wenn die Königsfamilie nicht mehr benötig wird. In den meisten geschichtlichen Fällen hieß dies den Tod. „Kopf hoch Schwester! Noch ist es lang nicht soweit und außerdem haben wir doch rein Garnichts mit den Schandtaten von Vater zu tun. Uns wird schon nichts geschehen. Wahrscheinlich können wir zwar nicht mehr hier wohnen bleiben, aber wohin man dich auch unterbringt, Kleines, ich werde dich besuchen kommen. Du wirst schon nirgendswo versauern. Geschwisterehrenwort!“ Neraphine setzte nur ein verschwitztes Lächeln auf.


    „Ok schau mal Nera, was ich dir mitgebracht habe.“ Griset zückte aus ihrer großen Tasche plötzlich ein Buch hervor, das die in der Stadt, extra für ihrer Schwester erworben hatte. „Ich weiß doch, wie gerne du lesen tust und ich hatte mir gedacht, das könnte vielleicht was Gutes sein.“ Sie legte das Buch in die Hände ihrer jüngeren Schwester, die darauf das Werk bemusterte. Der Titel, „Biss zur Morgenröte“ war in einem blutrot, auf schwarzen Grund geschrieben. Allgemein machte das Buch ein ehr mystischen, dunklen Eindruck. Noch bevor sie sich bedanken konnte, fuhr Griset fort. „Es tut mir leid, aber ich muss los. Sonst schöpf man noch Verdacht, wenn ich wieder die Abendpredigt schwänze.“


    Neraphine schüttelte mit dem Kopf und verabschiedete sich noch schnell von ihrer großen Schwester, bevor es wieder Still in ihrem Zimmer wurde. Nur der Kamin knistere in der ein Ecke des Raumes. Auch wenn dieser Wärme spenden sollte, stieg in Neraphine eine gewisse Kälte hoch. Die drehte und wendetet das Buch in ihrer Hand. Sie seufzte. „Schon wieder eine dramatische Liebesgeschichte… Auch wenn sie es gut meint, ahnt sie denn nicht, wie verletzten das es für mich ist? Hmm… Aber ich muss schon sagen, dass der Buchdeckel wirklich herrlich mit schwarzen Rosen verziert ist. War wieder mal sicher nicht günstig.“ Flüsterte sie sich selbst zu.


    Nur durch die Bücher zu erfahren, wie die Welt da draußen sei, war für sie nicht genug. Sie wünschte sich sehr eine Möglichkeit zu finden, diese selbst erleben zu können, vielleicht Freunde oder sogar selbst eine Romanze zu haben. Aber was sollte sie schon tun? Sie war verdammt für ein einsames Leben im Bett. Ein Schicksal, an den sie langsam immer mehr zerbrach. Bis zu diesen einen Jahr! In diesem Jahr wurde Neraphine 20 und ahnte nicht, welch eine Wendung ihr Leben haben würde.


    Mit der Zeit Sie wurde sie verbitterter, was ihren Geschwistern zwar nicht wunderte, aber das Miteinander immer schwerer gestaltete. Nichts destotrotz standen diese immer noch auf Nera’s Seite und halfen ihr, wo sie nur konnten. Mit der Zeit allerdings wurden diese für Neraphine auch immer langweilige als auch lästiger. Dazu kommt noch, das vor kurzer Zeit erst sie zusätzlich mit grauenvollen Magenproblemen zu kämpfen hatte. Ein seltsames Symbol war von heute auf morgen, etwas weiter unter ihrem Bauchnabel erschienen. Niemand wusste, woher dieses Mal herkam, oder ahnte was es bedeuten könnte. Eine Antwort darauf bekam Neraphine in einer tragischen Sommernacht.


    „Nera, wir müssen weg hier. Schnell!“ Panisch stand Griset in ihrem Zimmer. Ihr einziger Bruder nahm sie auf den Arm und die beiden zusammen schleppten Neraphine die dunklen Flurgänge entlang. Sie verstand nicht, was los sei und verlangte eine Erklärung. „Sie kommen, sie haben Mutter und die anderen umgebracht. Deswegen müssen wir schnellstens weg hier.“ Nach den Worten begriff sie schnell, was das zu bedeuten hatte. Eine Revolution in Nova hatte begonnen und die Leute waren daran die ganze Königsfamilie zu stürzen. „Ich weiß nicht, was Vater diesmal veranstaltet hat, aber die Leute sind verdammt sauer und gehen ohne jeglichen Skrupel vor.“ Sie standen vor einer Treppe, als hinter ihnen im Gang plötzlich Fackeln aufleuchteten und Stimmen wahrzunehmen waren. „Da sind sie! Lasst sie nicht entkommen.“


    Hecktisch begannen ihre Geschwister sie die Treppe runterzutragen. Ein Pfeil, der durch den Gang geschossen wurden war, traf ihre große Schwester in den Rücken durch ihre Brust hindurch. Sie taumelte und bevor sie zu Boden fiel, ergriff sie in der Schrecksekunde die Schulter ihres Bruders. Dieser drehte sich auf den Stufen und fiel rückwärts ebenfalls zusammen mit Neraphine in seinen Armen die Treppen herunter. Neraphine ihre Augen wieder öffnete lag sie nach dem Aufprall auf ihren beiden Geschwistern. Aus der durchbohrten Brust sowie auf den aufgeplatzten Köpfen ran Blut. Viel Blut. Mit einem Schreck war ihr klar, dass sie beiden Tod waren. Ihr Magen meldete sich mit einem starken Schmerz. Sie sah mit aufgequollenen Augen das Blut den Flur runter rinnen und verspürte ein einen Drang. Einen Durst, welches sie noch nie erlebt hatte. Sie sah das Blut an ihrer Hand und konnte nicht widerstehen davon zu kosten. Wider die eigene Erwartung schmeckte es süßlich herrlich, sodass man nicht widerstehen konnte. Auch wenn es ihr anfangs zuwider war von den Leichen, ihrer verstorbenen Familienmitglieder zu trinken, musste sie den Drang nachgeben. Der Schmerz, der aus ihrem Bauch linderte sich, mit jedem Zug, den sie trank. Ihr ganzer Körber fühlte sich lebendiger und kräftiger an als jemals zuvor.


    den Verfolger, welche sich oben auf der Treppe versammelten, eröffnete sich ein grausames Bild. Ein Blutgetränkes Mädchen, das sich an dem Blut schmatzend ergötzte. Ihr weißes Haar strahlte förmlich zwischen all den Rot und sie ließ sich davon nicht irritieren, dass sie von dutzenden Männern mit scharfen, spitzen Waffen umgeben war. Dieses Ding, dieses Monster, welches sie erblickten, stand mit einem lauten Stöhnen auf. Wie gebannt beschauten die Männer den weiblichen Körber und blickten in das Leuchten der violettfarbigen Augen.


    „Wer bist du?“ fragte einer in der Runde.“ Ich? Ich bin das letzte Überleben der Königsfamilie von Nova. Mein Name ist Neraphine von Nova und ab heute bin ich eure Königin.“ Keiner der Männer verstand ein Wort. „Das kann nicht sein, der König hatte nur drei Kinder und die haben wir jetzt gerade beseitigt. Aber selbst wenn, dann müssen wir nur hier und jetzt klarstellen, dass wir keinen auslassen.“ Mit einem fiesen Lächeln verspotteter er Neraphine, die wiederum ihren Unterarm ableckte und sich erst mit wackligen Beinen sich auf die Männer zubewegte. „Bah. Du törichtes Mädchen! Sie kann ja nicht mal richtig gehen und will uns herausfordern, dass ich nicht lache.“ Wieder eine andere spannte den Bogen und zielte auf den Kopf, der sich mit langsamen Schritten sich ihm nährte. Mit den Schuss hallte ein kurzes Pfeifen durch den Flur und die Angreifer erstarrten. Der Pfeil, der sich hätte durch den Kopf des Mädchens bohren müssen, wurde mit der bloßen Hand von ihr abgefangen.


    Langsam dämmerte es ihnen, dass sie es noch bereuen könnten, sich dem Gestallt im Nachthemd in den Weg gestellt zu haben. „Sie ist kein Mensch. Ein Dämon oder Hexe? Was auch immer, aber wir müssen ihren Kopf abschlagen.“ Ertönte es von den Letzten, den der Mut ihn noch nicht verlassen hatte. Der Rest von Ihnen war wie erstarrt und konnten nur zusehen, wie er auf das Mädchen zustürmte und mit dem Schwert versuchte anzusetzen. Doch, bevor er sich versehen konnte, wich Neraphine mit einer schnellen Bewegung aus und der Pfeil, der sich zuvor in der ihre Hand befand, steckte nun, mit einem Schlag tief im Hals ihres Widersachers. Ächzend und stöhnend ging dieser zu Boden, während Neraphine lächelnd danebenstand


    „Meine Herren. So tapfere Männer wie ihr, sind doch sicher gewählt der Königin ein wenig wärme zu spenden, oder?“ Angsterstarrt standen die Männer da und rührten sich kein Meter. Die selbst ernannte Königin ergriff sich einen der Männer am Kinn und drehte sein Kopf leicht hin und her. Sie bemusterte ihn sehr ausführlich vor den Augen aller anderen. „Du riechst wie ein Haufen Ochsen. Aber das sollte mir genügen.“ Beherzt biss den in den Hals ihres Auserwählten, der sich drauf nicht wehren tat. Auch die anderen der Gruppe waren wie verhext und konnten sie einfach nicht bewegen. Einer nach den anderen ereilte dasselbe Schicksal wie den Ersten. Schlussendlich stand Neraphine in einer Gruppe bestehend aus Leichen und wartete. Sie wartete darauf, dass ihr Fluch, den sie mit ihrem Bissen verbreitet hatte, sich entfalten würde. Nach einigen Minuten tat dieser auch sein Wunder. Erst einer und später der Rest standen die Männer wieder auf und standen wie leeren Hüllen nur da. Sie befolgten die Anweisung ihrer neuen Herrin aufs Wort und waren ohne jegliche Emotion. Gerüstet mit ihrer neuen Armee machte sich Neraphine auf, das Schloss zurückzuerobern.

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